Eigentlich hätte Daniel Craigs neuer Film „Queer“ am Donnerstag das Mubi Filmfestival in Istanbul eröffnen sollen. Doch dazu kam es nicht: Der Film, den Luca Guadagnino auf Basis des Romans von William S. Burroghs geschaffen hat, wurde von den Behörden des Stadtbezirks Kadıköy im asiatischen Teil der Stadt in letzter Minute verboten.
Der Inhalt könne den „sozialen Frieden“ gefährden, glauben die Bezirksbehörden
Der Inhalt des Films sei „provokativ“ und potenziell gefährlich für den „sozialen Frieden“ – eine Begründung, mit der queere Filme in der türkischen Metropole schon häufiger verboten wurden. So auch „Queer“, in dem Daniel Craig nicht nur einen schwulen Mann spielt, sondern auch ein sehr lockeres Verhältnis zu illegalen Substanzen hat.
Für die britische Streaming-Plattform Mubi, die 2007 von dem türkischen Unternehmer Efe Çakarel gegründet wurde und sich auf Autorenfilme spezialisiert hat, ein Grund, das gesamte Festival abzusagen. „Wir sind der Meinung, dass dieses Verbot die Kunst und die Meinungsfreiheit einschränkt“, heißt es in einer Stellungnahme.
Das Verbot „beraubt das gesamte Festival seiner Bedeutung“, so der Veranstalter
„Festivals sind Räume zum Durchatmen, die Kunst und kulturelle Vielfalt feiern und Menschen zusammenbringen. Dieses Verbot […] beraubt das gesamte Festival seiner Bedeutung und seines Zwecks. Daher […] bedauern wir, dir mitteilen zu müssen, dass wir beschlossen haben, das gesamte Mubi Fest Istanbul abzusagen“, so der Streaming-Anbieter weiter. Das Festival hätte heuer zum zweiten Mal in Istanbul stattfinden sollen.
Man werde seine Position in dieser Angelegenheit weiterhin aufrechterhalten, „um die Meinungsfreiheit und den künstlerischen Ausdruck zu schützen“, macht Mubi auf seinem türkischen Instagram-Account klar.
Unter Kritikern bekam der Film jede Menge Lob
„Queer“ hatte bei seiner Premiere bei den Filmfestspielen in Venedig jede Menge Lob bekommen. Der Film folgt dem US-amerikanischen Auswanderer William Lee, gespielt von Daniel Craig, im Mexiko der 1950er Jahre. Er muss sich dabei mit seiner Isolation und seinen Gefühlen für Eugene Allerton, gespielt von Drew Starkey, auseinandersetzen.
Der Film beschäftigt sich mit Themen wie Begehren, Selbstakzeptanz und Identität und verbindet Guadagninos typische Sinnlichkeit mit beeindruckenden Bildern. Mubi hat die Vertriebsrechte für den Film in mehreren Ländern erworben, darunter die Türkei, Großbritannien, Irland, Kanada und Spanien.
Die Lage für queere Menschen in der Türkei bleibt angespannt
Die Türkei hat in den letzten Jahren eine zunehmend restriktive Haltung gegenüber LGBTQ+-Rechten eingenommen. Homosexualität ist zwar legal, aber das Land hat keine umfassenden Antidiskriminierungsgesetze zum Schutz queerer Personen.
Öffentliche Veranstaltungen, wie beispielsweise Prides, wurden verboten, und das Verbot von der Polizei mit Gewalt durchgesetzt. Im Juni 2024 feierten hunderte Menschen trotz eines Verbots die Pride in Istanbul, was zu unzähligen Verhaftungen führte.
Auch wird die Rhetorik unter dem Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zunehmend queerfeindlicher. So wurden LGBTI-Personen als „Abweichler“ bezeichnet, deren Existenz eine Bedrohung der „traditionellen Familienwerte“ darstelle.

