Eigentlich ist Adele Neuhauser Fernsehfans als Tatort-Kommissarin Bibi Fellner oder aus der Serie „Vier Frauen und ein Todesfall“ bekannt. Am Mittwoch ist sie in einer ungewohnten Rolle zu sehen: Um 20.15 sendet ORF 2 den TV-Film „Ungeschminkt“ von Erfolgsautor Ulli Brée, in dem sie eine trans Frau spielt, die mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Auf ORF ON ist der Film schon ab Dienstag zu sehen.
Neuhauser spielt eine trans Frau, die nach 40 Jahren in ihr Heimatdorf zurückkehrt
Neuhauser spielt in dem Film Josefa, die vor mehr als 40 Jahren und vor ihrer Geschlechtsangleichung ihr Heimatdorf Distlfing im Streit verlassen hat. Nun kehrt sie nach dem Tod ihrer Mutter zurück – und wird nicht nur am Hof ihrer Eltern mit voller Wucht mit ihren verschollenen Erinnerungen konfrontiert.
Denn da ist auch Petra, gespielt von Eva Mattes, mit der Josefa einmal verheiratet war. Oder Blume, gespielt von Ulrich Noethen, Josefas bester Freund von damals. Vieles, das damals nicht gesagt wurde, verlangt nun Gehör. Aber nicht nur für Josefa ist es eine Aufarbeitung ihrer Vergangenheit, auch Petra trägt Geheimnisse mit sich.
Ein Drama ohne Betroffenheitskitsch und Zeigefinger
Entstanden ist ein wohltuend unbeschwertes Drama, weit weg von Betroffenheitskitsch oder pädagogischem Zeigefinger, mit starkem Ensemble und einer guten Dosis Humor. Neuhauser brilliert vor allem in den introspektiven Szenen, in denen man ihrer Figur in Großaufnahme förmlich beim Fühlen zuschauen kann.
„Natürlich“ habe sie darüber nachgedacht, ob sie als cis Frau eine trans Frau spielen sollte, erklärt Adele Neuhauser in einem Interview mit der Austria Presse Agentur (APA). „Umso intensiver habe ich mich vorbereitet. Ich glaube, es geht um den aufrichtigen Zugang zum Thema.“
Adele Neuhauser hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt
Vor den Dreharbeit, die von Mai bis Juni 2023 in München und Umgebung stattgefunden haben, hat sich die Schauspielerin mit Dokumentationen und Büchern informiert und auch mit trans Personen gesprochen.
„Es wird ja immer wieder diskutiert, ob nur trans Schauspieler trans Personen spielen dürfen“, so Neuhauser weiter: „Ja, natürlich habe ich darüber nachgedacht. Umso intensiver habe ich mich vorbereitet. Ich glaube, es geht um den aufrichtigen Zugang zum Thema.“
Adele Neuhauser spricht auch über ihre sexuelle Selbstfindung
Außerdem hatte Adele Neuhauser auch einen persönlichen Zugang zum Film: „Ich bin auch bei der Recherche in meiner Vergangenheit an Dinge gestoßen, die mir in meiner Jugend, in meiner Selbstfindung im Weg standen, wie ich mir im Weg gestanden bin und ich auch manchmal nicht wusste: Was bin ich? Ein Manderl oder ein Weiberl?“, erinnert sie sich.
Gegenüber der Bild-Zeitung sprach die 65-Jährige auch erstmals über ihre sexuelle Orientierung: „Als ich 15, 16, 17 war, wusste ich nicht, wie ich zu einer Authentizität finden kann. Das war nicht nur rein geschlechtlich orientiert, sondern ich wusste damals auch nicht, wo meine Gefühle hingehen: zu Männern oder zu Frauen – was auch der Fall war“, so Neuhauser: „Ich war eine Suchende. Diese Freiheit müssen wir jedem Menschen geben.“
Auch heute könne sie Gefühle für eine Frau entwickeln: „Mich in eine Frau zu verlieben, würde mich nicht irritieren“, so die Schauspielerin. „Es geht doch im Leben darum, zu seiner Blüte zu kommen. Und wenn jemand das Schönste und Positivste in einem weckt, dann hat es die Chance, Liebe zu sein. Und dann ist es vollkommen egal, von welcher Seite sie kommt.“

