Justin Welby, der Erzbischof von Canterbury, hat seinen Rücktritt angekündigt. Grund dafür ist ein Bericht über einen Laienprediger, der Burschen und junge Männer missbraucht hatte – und Welby attestiert, zu spät gehandelt zu haben.
Bereits 2013 soll Welby von den Missbrauchsfällen erfahren haben
Dem Bericht zufolge wusste Welby seit 2013 von den Missbrauchsfällen, die in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren stattgefunden haben. Damals hätte Welby die Taten anzeigen müssen, so der Bericht. Das sei nicht geschehen, und Welby habe eine „Gelegenheit verpasst“, den Geistlichen vor dessen Tod 2018 vor Gericht zu stellen, so der Bericht, der letzte Woche veröffentlicht wurde.
„Es ist ganz klar, dass ich die persönliche und institutionelle Verantwortung übernehmen muss“, so Welby in einer persönlichen Erklärung. Ihm sei damals gesagt worden, dass die Polizei benachrichtigt worden sei, und er habe „fälschlicherweise geglaubt, dass eine angemessene Lösung folgen würde“, so der Erzbischof von Canterbury.
Seine persönliche Schlussfolgerung: „Ich glaube, dass es im besten Interesse der Kirche von England ist, zurückzutreten.“ Er trete „in Trauer mit allen Opfern und Überlebenden von Missbrauch“ zurück, so der Erzbischof weiter.
Der Verantwortliche starb, bevor er vor Gericht gestellt werden konnte
Dem Bericht zufolge hat der Laienprediger in den 1970er und 1980er Jahren bis zu 30 Burschen, die er in den Sommerlagern kennengelernt hatte, durch ein „eindeutig sexuell motiviertes, sadistisches Verhalten“ misshandelt. Er lud die Burschen zu sich nach Hause ein, wo er sie in seinem Schuppen mit einem Gartenstock schlug.
In den 1980er Jahren zog der Mann nach Simbabwe und später nach Südafrika, wo er weitere 85 bis 100 „junge männliche Kinder im Alter von 13 bis 17 Jahren“ missbraucht haben soll. Er starb 2018 im Alter von 75 Jahren in Kapstadt, ohne jemals für seine Taten zur Verantwortung gezogen worden zu sein.
Bis es einen Nachfolger gibt, kann es dauern
Wann Welby sein Amt niederlegt, ist noch nicht klar. Wahrscheinlich dauert die Suche nach einem Nachfolger mindestens sechs Monate, vermutet die BBC. Welby war elf Jahre lang Erzbischof von Canterbury. In dieser Zeit leitete er mehrere hochkarätige Zeremonien, unter anderem die Krönung von Charles III. im Mai 2023. Bevor er Priester wurde, arbeitete er elf Jahre lang in der Ölindustrie.
Der Erzbischof von Canterbury ist das Oberhaupt der Kirche von England und steht 85 Millionen Anglikanern in 165 Ländern der Welt vor.

