Er war eine schillernde Comedienne, international gefragte Drag Queen oder einfach der „Bauernsohn aus dem Südburgenland“: Angelo Conti, einer der bekanntesten Drag-Künstler Österreichs, ist an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Er wurde 67 Jahre alt.
Am Sonntag hat er noch mit einem Freund telefoniert
Bisherigen Informationen zufolge kam Angelo Conti kam am Wochenende von einer Reise zurück und hatte am Samstag noch einen Auftritt in der Nähe von Wien. Am Sonntag hatte er noch mit einem Freund telefoniert.
In den letzten Jahren war er öfter auch in Deutschland, so zählte er unter anderem den Entertainer Julian F. M. Stoeckel zu seinen Freunden. Auf Facebook beklagen seine Freunde den Verlust eines herzensguten und hilfsbereiten Menschen.
Die Geschichte seines Lebens hatte viele Wendungen
Geboren wurde Angelo Conti in Zürich – seine Mutter hatte das Burgenland vorübergehend verlassen, nachdem sie unehelich mit ihm schwanger war. Er kam zu einer Pflegefamilie im Burgenland, weil seine leibliche Mutter nicht in der Lage war, das Kind zu erhalten, und von dort bald nach Wien in ein Schülerinternat.
Das Gymnasium brach er ab, er machte eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und leistete sich mit 18 Jahren seine erste eigene Wohnung – im noblen ersten Bezirk. „Aber dafür musste ich schwer schuften. Ich habe nachts in einer Bar gearbeitet, bin dort um vier Uhr früh raus und zu Mittag stand ich schon wieder in einem Modegeschäft in der Operngasse als Verkäufer“, erinnert er sich in einem Portrait mit dem Magazin Burgenländerin.
Er brachte Travestie in Österreich auf ein neues Niveau
Schließlich vermittelte ihn ein Bekannter ans Volkstheater, wo man für ein Stück „freche junge Burschen“ gesucht hatte. Schließlich landete er bei der Travestie. Sein Anspruch: Travestie aus dem verstaubten Eck mit den Schenkelklopfern herausholen, sich an den internationalen Größen der Branche orientieren. Seinen Künstlernamen hat er sich vom italienischen Bildhauer und Paläontologen Angelo Conti (1812-1876) ausgeborgt.
„Wir spielten in jedem Dorf in Österreich, das eine Halle besaß, und irgendwann auch auf jedem Zeltfest“, erinnert sich Conti – nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland, Italien, der Schweiz und den Niederlanden. Seine Frau hat er – zufällig in seiner Geburtsstadt Zürich – auf einer Tour kennengelernt, später konzentrierte sich Angelo Conti auf die Produktion seiner Stücke.
Lange Zeit führte Conti auch eine bekannte Wiener Cruising-Bar, mehr als 30 Jahre lang betrieb er mit seiner Frau unweit davon eine kleine Spezialitäten-Bar. „Wenn ich mal mehr Zeit habe, möchte ich viel reisen, viel ins Theater gehen – mehr Zeit in meiner Wohnung auf der Insel Djerba verbringen“, sagte Conti einmal. Es war ihm nicht vergönnt.

