In einem Aufsehen erregenden Prozess hat ein Gericht in der nordspanischen Stadt A Coruña vier junge Männer des Mordes an dem 24-jährigen Altenpfleger Samuel Luiz für schuldig befunden.
Weil er mit seinem Handy filmte, wurde er von einem Mob gejagt
Luiz war in der Nacht vom 2. auf den 3. Juli 2021 im Stadtzentrum von A Coruña unterwegs. Weil er während eines Videotelefonats mit einer Freundin die Straße filmte, wurde er von einem vorbeikommenden Pärchen bedroht. „Entweder du hörst auf zu filmen, oder ich bringe dich um, du Schwuchtel“, soll der Mann zu Luiz gesagt haben, bevor er auf ihn einschlug.
Kurz nach dem ersten Angriff kehrte der Angreifer mit zwölf weiteren Personen zurück. Sie verfolgten Luiz, der mehrfach angegriffen wurde. Die eintreffenden Rettungskräfte konnten nur noch den Tod des Krankenpflegers feststellen. Er starb an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas.
Die Angeklagten begründeten den Gewaltausbruch mit Alkohol- und Drogenkonsum
Die Verantwortlichen für den Tod des 26-Jährigen konnten – auch dank der genauen Dokumentationspflicht nach den Covid-Regeln – schnell ausfindig gemacht werden. Vor Gericht zeigten sie sich zumindest teilweise reumütig. Sie bestritten eine Tötungsabsicht und Schwulenhass als Motiv. Ihren Gewaltausbruch begründeten sie mit massivem Alkohol- und teilweise Drogenkonsum.
Die Geschworenen ließen sich davon nicht beeindrucken: Nach fünftägiger Beratung sprachen sie vier der fünf Angeklagten schuldig. Den drei Hauptangeklagten drohen nun Haftstrafen zwischen 15 und 27 Jahren.
Zwei minderjährige Täter waren schon verurteilt worden
Ein vierter junger Mann, der bislang auf freiem Fuß war, wurde der Beihilfe zum Mord für schuldig befunden. Er muss nun mit einer Haftstrafe zwischen siebeneinhalb und 13 Jahren rechnen. Eine ebenfalls angeklagte Frau wurde im Zweifel freigesprochen. Zwei minderjährige Täter waren bereits zuvor zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.
Das genaue Strafmaß wird in Spanien in der Regel wenige Tage nach dem Schuldspruch verkündet. Die Anwälte der Angeklagten kündigten bereits Berufung gegen das Urteil an. Es gebe „Widersprüche“, sagte einer der Anwälte nach dem Schuldspruch gegenüber spanischen Medien.
Für das Gericht war es klar, dass es sich um ein Hassverbrechen gehandelt hat
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Tod von Luiz ein Hassverbrechen war, weil der 24-Jährige schwul war. Vor allem der erste Täter habe aus „Feindseligkeit gegenüber der sexuellen Orientierung, die er dem Opfer zuschrieb“ gehandelt, so die Geschworenen.
Der Fall hat in Spanien große Bestürzung ausgelöst: Nachdem bekannt wurde, dass Samuel Luiz aus Homophobie getötet wurde, formierte sich die Community. In Dutzenden Städten Spaniens wurde auf Demonstrationen „Gerechtigkeit für Samuel“ gefordert.
Die LGBTI-Community ist mit den Schuldsprüchen zufrieden
Dementsprechend zufrieden zeigen sich die LGBTI-Aktivist:innen mit den Schuldgesprächen. Ana García Fernández. Vorsitzende der lokalen Gruppe „Alas A Coruña“, betonte, das Gericht habe bestätigt, dass „bei diesem Mord Homophobie im Spiel war“.
Und Paula Iglesias, Vorsitzende des spanischen LGBTI-Verbandes FELGTBI+, sagte, mit dem Urteil sei der Gerechtigkeit Genüge getan. „Scheiß Schwuchtel‘ ist keine Art der Kommunikation, sondern Ausdruck des Hasses, der zum Mord führt, und der Bösartigkeit, mit der in diesem Fall Samuels Leben beendet wurde“, so Iglesias.

