HomeMagazinFilmtippEin dänischer Sommer zwischen Einsamkeit und Selbstfindung

Ein dänischer Sommer zwischen Einsamkeit und Selbstfindung

Der dänische Regisseur Søren Green hat mit BOY einen authentischen Coming-of-Age-Film geschaffen, der sich einem unbequemen Thema auf unkonventionelle Weise nähert.

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„BOY“ steht für „Bruises of Yesterday“ und ist der Titel des ersten Spielfilms des dänischen Regisseurs Søren Green. Es ist das einfühlsame und schmerzhafte Porträt eines jungen Mannes, der mit Einsamkeit und inneren Konflikten kämpft.

Auf dem Land findet der 16-jährige Tobias Jonas, Aron – und sich selbst

Die Handlung folgt dem 16-jährigen Tobias, der die Sommerferien gegen seinen Willen bei seinen Großeltern auf dem Land verbringen muss. Der Sommer scheint lang und ereignislos zu werden – da lernt er den Sexarbeiter Jonas kennen, der neben der öffentlichen Toilette auf Freier wartet, und den jungen Maler Aron.

Doch was zunächst wie ein Hauch von Sommerromantik aussieht, kippt bald in eine düstere Spirale. Tobias, gezeichnet von familiärer Vernachlässigung und emotionalen Verletzungen, sucht Trost in Selbstverletzungen und problematischen Beziehungen. Seine an Demenz erkrankte Großmutter spendet ihm etwas Trost, doch der wirkliche Halt in seinem Leben fehlt.

Der Film greift ein wichtiges Problem auf, das auch Burschen betrifft

Søren Greens Debütfilm nähert sich dem Thema Selbstverletzung bei männlichen Jugendlichen auf ungewöhnliche Weise. Green, der das Drehbuch gemeinsam mit Tomas Lagermand Lundme schrieb, will zeigen, dass dieses Problem nicht nur Mädchen betrifft, sondern auch viele Burschen, die oft keinen anderen Ausweg aus emotionaler Not sehen. 

Der Originaltitel „Glasskår“ („Glassplitter“) bezieht sich auf die emotionalen Narben der Vergangenheit, die Tobias wie Glassplitter in seiner Seele trägt. Der Film erinnert atmosphärisch an „Call Me by Your Name“, bleibt aber durch die Konzentration auf das Leiden der Hauptfigur eigenständig und ungeschönt.

Ein packender und authentischer Coming-of-Age-Film aus Dänemark

Die dänische Filmlandschaft hat sich in letzter Zeit verstärkt komplexen Jugendthemen zugewandt, und Green hat mit BOY einen beeindruckenden Beitrag dazu geleistet. Mit großer Sensibilität für das Innenleben junger Menschen zeigt er, was passieren kann, wenn sich Jugendliche von der Welt und den Menschen um sie herum verlassen fühlen.

Newcomer Noa Viktor Risbro Hjerrild brilliert in der herausfordernden Rolle des Teenagers Tobias, der nach und nach lernt, Hilfe anzunehmen und sich auf andere einzulassen. Entstanden ist ein packender und authentischer Coming-of-Age-Film aus Dänemark.

Filmtipp
BOY
Dänemark 2024 | Drama | 86 Minuten
Regie: Søren Green | Besetzung: Noa Viktor Risbro Hjerrild, Jens Jørn Spottag, Alexander Mayah Larsen, Bodil Jørgensen
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