Eine Injektion mit Lenacapavir alle sechs Monate dürfte wirksam vor einer Infektion mit HIV schützen. Das bestätigen jetzt auch die Daten der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie. Das könnte eine Revolution im Kampf gegen HIV bedeuten – und eine deutlich einfachere Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP).
Studie war so erfolgreich, dass sie vorzeitig beendet wurde
Wie der Hersteller Gilead mitteilte, wurde die Auswertung der Studie aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse vorzeitig beendet, um auch der Kontrollgruppe das Medikament zur Verfügung stellen zu können – genau wie bei der Studie zuvor.
In der Studie waren 3.300 HIV-negative Menschen, die häufiger Sex hatten. Von den 2.200 Proband:innen, die Lenacapavir bekommen hatten, infizierten sich zwei mit HIV. Bei der Kontrollgruppe, die das zugelassene PrEP-Medikament Truvada bekommen hatte, waren es neun von 1.100 Menschen.
Spritze soll HIV-Infektionsrisiko um 96 Prozent reduzieren
Damit reduziere das Medikament das Infektionsrisiko um 96 Prozent gegenüber der Hintergrundinzidenz, heißt es in der Studie. Nun soll in zahlreichen Ländern die Zulassung als PrEP-Medikament beantragt werden. Dann kann es vorbeugend Menschen mit einem höhem Risiko, sich mit HIV anzustecken, zur Verfügung gestellt werden.
Bis jetzt müssen Medikamente zur PrEP jeden Tag als Tablette genommen werden, um gegen die Immunschwäche zu schützen. Das kann zu Fehlern bei der Einnahme führen, die den Schutz vor HIV deutlich reduzieren. Die monatlichen Kosten für das Medikament liegen bei weniger als 100 Euro und werden in Österreich, Deutschland und der Schweiz von der Krankenkasse übernommen.
Derzeit liegen die Kosten bei 42.000 Dollar pro Jahr
Lenacapavir hemmt den Lebenszyklus des HI-Virus in mehreren Stadien der Infektion. Bereits jetzt ist das Medikament in der EU zur virushemmenden Behandlung bestimmter HIV-positiver Patient:innen zugelassen.
Problematisch sind derzeit die Kosten von Lenacapavir: Derzeit kostet die Behandlung bei einer bestehenden Infektion in den USA etwa 42.000 Dollar pro Jahr. Ob die europäischen Krankenkassen diese Kosten als PrEP ebenfalls übernehmen würden, ist unklar. An einer Versorgung in ärmeren Ländern werde Gilead zufolge gezielt gearbeitet.

