Lili Elbe wurde am 28. Dezember 1882 unter dem Namen Einar Mogens Andreas Wegener im dänischen Vejle geboren. Schon früh zeigte sich ihr künstlerisches Talent. An der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen lernte sie ihre Mitstudentin und spätere Frau Gerda Gottlieb kennen.
Ihre Ehe war nicht nur eine Liebesbeziehung, sondern auch eine kreative Partnerschaft. Während Einar vor allem Landschaften malte, wurde Gerda für ihre avantgardistischen Porträts bekannt.
Nach einem besonderen Moment fühlte sich Lili lebendiger als je zuvor
Doch ein besonderer Moment sollte Einars Leben verändern: Als eines ihrer weiblichen Modelle nicht erscheinen konnte, bat Gerda ihren Mann, in Frauenkleidern zu posieren. Dieses Experiment enthüllte eine tiefere Wahrheit. Einar fing an, sich als Lili wohler und lebendiger zu fühlen als je zuvor.
Als das Paar nach Paris zog, lebte Lili immer offener als Frau. Freunde und Bekannte kannten sie als Gerdas „Schwester“. In der französischen Metropole der 1920er Jahre konnte Lili ein Stück Freiheit genießen, doch ihre innere Zerrissenheit blieb.
„Ich fühlte mich wie in einem fremden Körper gefangen“
„Ich fühlte mich wie in einem fremden Körper gefangen“, soll sie später gesagt haben. Der Wunsch, endlich als Frau zu leben, wurde immer stärker.
1930 wagte Lili einen für die damalige Zeit revolutionären und riskanten Schritt. Sie reiste nach Deutschland, um sich einer Geschlechtsangleichung zu unterziehen.
In Deutschland ließ sie sich als eine der Ersten operieren
Auf Empfehlung des Gynäkologen Kurt Warnekros ging sie nach Berlin an das Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld. Dort fand die erste Operation statt, gefolgt von weiteren Eingriffen in der Dresdner Frauenklinik unter der Leitung von Warnekros. Diese Operationen waren damals sehr experimentell und erregten internationales Aufsehen.
Die Presse stürzte sich auf die Geschichte. Lili war plötzlich eine öffentliche Person, ob sie es wollte oder nicht. Doch die Operationen gaben ihr das, wonach sie sich so lange gesehnt hatte: die Möglichkeit, als Frau zu leben. Ihre Ehe mit Gerda wurde noch im selben Jahr vom dänischen König annulliert, und Lili erhielt neue Papiere. Sie träumte von einer Zukunft als Frau, vielleicht sogar als Mutter.
Ihr Wunsch, Mutter zu werden, wurde ihr zum Verhängnis
Dieser Wunsch sollte ihr zum Verhängnis werden: Im Jahr 1931 unterzog sie sich einer weiteren Operation, bei der vermutlich versucht wurde, ihr eine Gebärmutter zu transplantieren. Doch die Medizin war noch nicht so weit: Es kam zu Komplikationen, wahrscheinlich wurde das Organ abgestoßen. Am 12. September 1931 starb sie.
Doch ihr Mut und ihre Offenheit blieben unvergessen. In ihrer posthum veröffentlichten Autobiografie „Fra Mand til Kvinde“ erzählte sie ihre Geschichte, die 2015 in dem Film „The Danish Girl“ von David Ebershoff ein neues Publikum fand.
Lily Elbe ist ein Symbol für Selbstbestimmung
Heute gilt Lili Elbe als Symbol für Selbstbestimmung und den Kampf um Akzeptanz. Sie hat die Grenzen ihrer Zeit überschritten und den Weg für zukünftige Generationen geebnet. Ihr Name steht für den Mut, trotz aller Widrigkeiten die eigene Identität zu leben.
Ihr Grab in Dresden wurde in den 1960er Jahren eingeebnet, doch 2016 wurde ein neuer Gedenkstein errichtet, der an ihr Leben und ihre Leistungen erinnert. Lili Elbes Geschichte wird für immer ein wichtiges Kapitel in der Geschichte der LGBTI-Community bleiben.
