Der brasilianische Film „Der Senator“ von Mauro Carvalho bietet einen tiefen Einblick in die Verstrickungen von Macht, Heuchelei und verbotener Liebe innerhalb der politischen Elite. Im Mittelpunkt steht Renan, ein junger Mann, der in Brasília in einer Luxuswohnung lebt, die von Senator Arthur Alencar finanziert wird.
Nach außen steht der Senator für traditionelle Werte – doch er hält sich einen Toyboy
Alencar ist ein einflussreicher Politiker, der öffentlich traditionelle Familienwerte propagiert, sich Renan aber im Geheimen als Toyboy hält. Das Blatt wendet sich, als Renan den Journalisten Victor kennenlernt, der entschlossen ist, Arthurs Doppelleben aufzudecken.
Carvalho inszeniert minimalistisch, viele Szenen spielen in engen Innenräumen, was die Isolation und die inneren Konflikte der Figuren unterstreicht. Die wenigen Außenaufnahmen, meist bei Nacht, verstärken das Gefühl der Beklemmung und Unsicherheit. Die Wahl der Schauplätze spiegelt die verborgenen Aspekte im Leben der Protagonisten wider und betont die Themen Macht und Abhängigkeit.
Die Verbindungen zwischen den Hauptfiguren sind vielschichtig
Der Film verwendet eine nicht-lineare Erzählweise mit Rückblenden und Verhörszenen, die es den Zuschauer:innen ermöglichen, die komplexen Beziehungen und Motivationen der Charaktere nach und nach zu verstehen. Diese Technik erhöht die Spannung und fordert den Zuschauer heraus, die Puzzleteile der Geschichte selbst zusammenzusetzen.
Die Verbindungen zwischen den Hauptfiguren sind vielschichtig: Die Beziehung zwischen Renan und Arthur ist geprägt von Abhängigkeit und Geheimniskrämerei, während Victors Auftauchen Renans Loyalität und Überzeugungen ins Wanken bringt.
„Der Senator“ zeigt die Doppelmoral konservativer Politiker
„Der Senator“ beleuchtet die Doppelmoral konservativer Politiker, die öffentlich traditionelle Werte vertreten, während sie privat ein konträres Leben führen. Der Film thematisiert auch die Korruption im politischen System Brasiliens und den Missbrauch von Macht.
Die Schauspieler überzeugen. Johnny Alcántara verkörpert Renan mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und innerer Stärke. Sérgio Harger zeigt als Senator Arthur Alencar die Zerrissenheit eines Mannes zwischen öffentlicher Fassade und privater Sehnsucht – auch wenn seine Figur etwas stereotyp wirkt.
João Cury als Victor bringt Entschlossenheit und Idealismus in die Geschichte, schrammt aber auch knapp am Klischee vorbei. Zudem bleiben einige Nebenfiguren unterentwickelt, was der Tiefe der Erzählung etwas abträglich ist.
Ein spannender Film, der auf Schwarz-Weiß-Klischees verzichtet
Zudem sind einige Handlungsstränge vorhersehbar, da Wendungen frühzeitig angedeutet werden. Die Inszenierung hätte stellenweise von einem schnelleren Erzähltempo profitieren können.
Dennoch bleibt „Der Senator“ ein spannender Film, der persönliche Dramen mit politischen und gesellschaftlichen Themen verbindet. Mauro Carvalho gelingt es, die Scheinheiligkeit und innere Zerrissenheit seiner Figuren zu zeigen, ohne trotz kleinerer Schwächen in der Figurenzeichnung oder der Erzählstruktur in eine simple Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen. Ein sehenswerter Beitrag des queeren brasilianischen Kinos.


