Singapur bekommt sein erstes Gesetz gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz – doch die LGBTI-Community bleibt außen vor. Das hat die LGBTI-Organisation SAFE (Supporting, Affirming and Empowering our LGBTQ+ friends and families) in einer Stellungnahme scharf kritisiert.
LGBTI-Aktivist:innen fordern nun eine Überarbeitung des Gesetzes
In einem auf Facebook veröffentlichten Beitrag fordert die Gruppe die Regierung auf, das Gesetz zu überarbeiten und Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität explizit zu verbieten.
„SAFE und unsere Partner, die diese Stellungnahme unterzeichnet haben, lehnen die Auslassung von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität als geschützte Merkmale entschieden ab. Wir halten dies für extrem diskriminierend und widersprüchlich zum Ziel des Gesetzes, Diskriminierung am Arbeitsplatz zu bekämpfen“, heißt es in der Erklärung.
Die Organisation betont auch, dass viele Eltern sich um die Sicherheit ihrer queeren Kinder sorgen und befürchten, dass das Gesetz Diskriminierung und Mobbing fördern könnte.
Auswirkungen auf andere Bereiche des Lebens
SAFE weist darauf hin, dass ungerechte Praktiken am Arbeitsplatz bestehende Diskriminierungen in anderen Lebensbereichen verstärken. Dazu gehören der Zugang zu Wohnraum und Bildung, was die wirtschaftliche Unsicherheit von Angehörigen sexueller Minderheiten verschärft.
Mit dem neuen Gesetz, das vom Arbeitsministerium Singapurs vorgelegt wurde, werden bestehende unverbindliche Richtlinien in ein Gesetz umgewandelt. Die Richtlinien aus dem Jahr 2007 verbieten Diskriminierung aufgrund von Alter, Nationalität, Geschlecht, Familienstand, Schwangerschaft, Betreuungspflichten, ethnischer Herkunft, Religion, Sprache, Behinderung und psychischer Verfassung. Ein Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität fehlt jedoch.
Eine verpasste Chance für Singapur
Singapur hat Homosexualität erst 2022 entkriminalisiert. Vor diesem Hintergrund sehen viele Aktivisten das neue Gesetz als verpasste Chance, Angehörige sexueller Minderheiten umfassender zu schützen.
Die Stadt ist bekannt für ihre lebendige LGBTI-Community, die zu den sichtbarsten in Südostasien zählt. Das jährliche Pink Dot Festival zieht Tausende von Teilnehmern an, die ihre Unterstützung für LGBTI-Rechte zeigen und mehr Gleichberechtigung fordern. Die Diskussion um das Gesetz wird die öffentliche Debatte über die Rechte sexueller Minderheiten in Singapur voraussichtlich weiter anheizen.

