Einen Erfolg im Kampf gegen queerfeindliche Kriminalität meldet die Polizei in Westhessen: Fünf Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren wurden festgenommen. Sie sollen im Main-Taunus-Kreis ihre Opfer gezielt über Online-Dating-Plattformen für schwule und bisexuelle Männer kontaktiert haben. Am Treffpunkt seien die Opfer dann ausgeraubt und zum Teil schwer körperlich angegriffen worden.
Über Dating-Portale wurden die Opfer in die Falle gelockt
„Mittels Dating-Portalen wurden die Opfer zu Treffpunkten gelockt und anschließend aufgrund ihrer sexuellen Identität in einem Hinterhalt ausgeraubt“, hieß es am Dienstag in einer Pressemitteilung der Polizei. Angaben zu den Tatverdächtigen oder zur Schwere der Verletzungen der Opfer wurden nicht gemacht.
Mindestens acht Fälle bekannt – weitere Opfer gesucht
Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf acht dokumentierte Fälle. Ob auch der Fall eines 62-Jährigen, der im Dezember Opfer eines solchen Angriffs wurde, zu den nun geklärten gehört, ist nicht bekannt.
„Es ist möglich, dass weitere Taten bislang nicht bei der Polizei angezeigt wurden“, so die Polizei. Sie ruft daher mögliche weitere Opfer auf, sich zu melden. Die zuständige Kriminalinspektion in Sulzbach ist unter der Telefonnummer +49/(0)6196/2073-0 erreichbar. Alternativ können sich Betroffene auch an jede andere Polizeidienststelle wenden.
Unterstützung für LGBTI-Opfer seit 2010
Die Aufklärung solcher Übergriffe könne durch das mangelnde Vertrauen vieler Betroffener in die Polizei erschwert werden, ergänzte Polizeihauptkommissar Florian Meerheim, der als LSBTI*Q-Ansprechpartner tätig ist. Das Polizeipräsidium Westhessen betreibt daher seit 2010 eine spezielle LSBT*IQ-Ansprechstelle.
Diese soll Opfern von homophoben Straftaten als vertrauensvolle Anlaufstelle dienen. „Unser Ziel ist es, eine vorurteilsfreie Beratung und Unterstützung anzubieten“, sagt Polizeioberkommissarin Victoria Willich, die gemeinsam mit Meerheim für die Stelle verantwortlich ist.
Unter rainbow.ppwh@polizei.hessen.de kann mit der LSBT*IQ-Anlaufstelle Kontakt aufgenommen werden. Neben der individuellen Unterstützung arbeitet die Anlaufstelle eng mit queeren Vereinen und Institutionen zusammen, um langfristig das Vertrauen in die Polizei zu stärken.
Zunahme von Hasskriminalität
Die Polizei weist darauf hin, dass Übergriffe wie dieser Teil eines besorgniserregenden Trends sind. Hasskriminalität gegen sexuelle Minderheiten habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Statistiken zeigen, dass allein in Deutschland innerhalb eines Jahres ein Anstieg solcher Straftaten um 65 Prozent zu verzeichnen ist.

