Helga Pankratz wurde am 6. Februar 1959 in Wiener Neustadt geboren. Schon früh zeigte sie Interesse an sozialen Fragen und kreativem Ausdruck. Nach der Matura 1977 zog sie nach Wien, um zunächst Sprachen und später Psychologie zu studieren. Doch sie beendete ihr Studium nicht – sie fand ihre Berufung außerhalb der Universität.
Helga Pankratz‘ Pionierarbeit wirkt bis heute nach
Schon in jungen Jahren engagierte sich Pankratz in der LGBTQ+-Bewegung. 1981 trat sie der Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien bei und gründete dort die erste Lesbengruppe. Diese Pionierarbeit war ein wichtiger Meilenstein für die lesbische Sichtbarkeit in Österreich.
Zwei Jahre später initiierte sie auch die schwul-lesbische Jugendgruppe innerhalb der HOSI. Ihr Engagement galt stets der Stärkung der Jugend und der Akzeptanz in der Gesellschaft.
Sie schuf Verbindungen
Ein weiterer wichtiger Beitrag war das Schulbesuchsprojekt „Peerconnexion“, das Pankratz 2001 ins Leben rief. Mit diesem Programm klärte sie Schüler:innen über sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität auf.
Bis 2004 leitete sie außerdem als Obfrau die HOSI Wien und setzte zahlreiche Initiativen um, die auch außerhalb Wiens große Resonanz fanden.
Neben ihrer Vereinsarbeit war Pankratz auch im sportlichen Bereich aktiv. Mit dem lesbischen Tanzklub Resis.danse nahm sie 1995 an den EuroGames in Frankfurt teil und knüpfte während der Gay Games 1998 in Amsterdam wichtige Kontakte zu anderen queeren Sportler:innen. Damit trug sie maßgeblich zur Vernetzung der LGBTQ+-Community im Sport bei.
Literarische Vielfalt und kabarettistische Bühnenkunst
Parallel zu ihrem Aktivismus entwickelte Pankratz ein umfangreiches literarisches Werk. Sie verfasste Gedichte, Essays, Kurzprosa und Liedertexte, die in zahlreichen Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht wurden. Ihre Werke fanden nicht nur im deutschsprachigen Raum Beachtung, sondern wurden auch ins Slowenische übersetzt.
In den 1990er Jahren zeigte Pankratz eine weitere Facette ihres Talents: Als Kabarettistin trat sie im Frauenkabarett auf und brachte feministische und gesellschaftskritische Themen auf die Bühne.
Ihre Arbeit und ihr Engagement wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2000 mit dem Gay And Lesbian Award (G.A.L.A.) der HOSI Linz und 2011 mit dem Kulturpreis der Stadt Wiener Neustadt für Literatur.
Ein bleibendes Vermächtnis
Am 27. Jänner 2014 verstarb Helga Pankratz im Alter von 54 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Doch ihr Engagement lebt weiter. Im Jahr 2022 wurde der Strobachplatz im 5. Wiener Gemeindebezirk in Helga-Pankratz-Platz umbenannt – eine Würdigung ihres unermüdlichen Einsatzes für die LGBTQ+-Community. Jedes Jahr erinnert das Helga-Pankratz-Fest an ihr Lebenswerk und feiert lesbische Sichtbarkeit.
Pankratz’ Leben zeigt, wie Literatur, Aktivismus und persönliches Engagement zusammenwirken können, um gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben. Als Autorin, Kabarettistin und Vorkämpferin für Gleichberechtigung bleibt sie eine Vordenkerin der österreichischen Zeitgeschichte.

