Der umstrittene argentinische Präsident Javier Milei hat mit einer Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. In seiner Ansprache griff er die LGBTI-Community frontal an und bezeichnete „Gender-Ideologie“ als „einfachen Kindesmissbrauch“. „Sie sind Pädophile“, behauptete er.
Milei, ein ultraliberaler Anarchokapitalist, der für seine Nähe zu rechten Populisten wie Donald Trump bekannt ist, sprach zudem von einem „mentalen Virus der Woke-Ideologie“, das „die große Epidemie unserer Zeit“ sei. „Das ist der Krebs, den wir loswerden müssen“, erklärte er.
Strafanzeige wegen Hassrede eingereicht
Die Reaktion auf diese Äußerungen ließ nicht lange auf sich warten: Der argentinische Abgeordnete und langjährige LGBTI-Aktivist Esteban Paulón reichte eine Strafanzeige gegen Milei ein. Er wirft dem Präsidenten vor, mit seinen Aussagen Hass und Gewalt gegen Angehörige sexueller Minderheiten zu schüren.
„Milei radikalisiert Hassrede mit Lügen und erfundenen Wahrheiten“, sagte Paulón. „Seine Aussagen befeuern schädliche Stereotype gegen die LGBTQ+-Community, erzeugen Angst und Verunsicherung. Wir sehen diese Rede als strafbar an, insbesondere da sie vom höchsten Amt des Landes ausgeht.“
Angst in der argentinischen LGBTI-Community wächst
Paulón betonte, dass Mileis Worte nicht nur Provokation seien, sondern echte Konsequenzen hätten. Viele queere Familien fürchteten nun, dass ihre Rechte weiter eingeschränkt werden könnten. „Eltern haben Angst, angezeigt zu werden, weil sie ihren Kindern erlauben, ihre Geschlechtsidentität zu leben“, erklärte er. „Gleichgeschlechtliche Paare fürchten, dass ihre Kinder ihnen weggenommen werden könnten.“
Mileis Aussagen stehen im Kontext einer breiteren politischen Wende in Argentinien. Seit seinem Amtsantritt hat er zahlreiche Institutionen abgeschafft, die sich für Gleichberechtigung und Antidiskriminierung eingesetzt hatten, darunter das Ministerium für Frauen, Gender und Diversität sowie das Nationale Institut gegen Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus (INADI).
Proteste und internationale Kritik
Als Reaktion auf Mileis Rede haben LGBTI-Aktivist:innen und Menschenrechtsorganisationen für den 1. Februar eine Großdemonstration unter dem Motto „Für ein Land ohne Hass“ in Buenos Aires angekündigt. Die Proteste sollen ein starkes Zeichen gegen die zunehmende Diskriminierung und für den Schutz der Menschenrechte setzen.
Auch international stößt Mileis Rhetorik auf scharfe Kritik. Organisationen wie Human Rights Watch (HRW) und Amnesty International warnen, dass solche Aussagen Diskriminierung und Gewalt gegen Angehörige sexueller Minderheiten verstärken könnten.
„Jede Hassrede aus höchsten politischen Kreisen legitimiert Übergriffe“, betont Paulón. „Wir sind noch nicht in einer Situation systematischer Gewalt, aber das Risiko wächst.“
Rechte sexueller Minderheiten in Argentinien in Gefahr?
Trotz der besorgniserregenden Entwicklung gibt es Hoffnung. Paulón betont, dass Errungenschaften wie die Ehe für alle und das Gesetz über trans Rechte tief in der argentinischen Gesellschaft verankert seien. Dennoch müsse die LGBTI-Community wachsam bleiben.
„Milei wird nicht ewig regieren“, sagte er. „Unser Kampf ist ein Zeichen dafür, dass soziale Errungenschaften niemals endgültig sind und dass Widerstand entscheidend ist, um das Erreichte zu bewahren.“
Mit wachsender internationaler Unterstützung und einer organisierten Zivilgesellschaft stellt sich die queere Community Argentiniens der Herausforderung – und sendet eine klare Botschaft: Hass und Diskriminierung werden nicht ohne Widerstand hingenommen.

