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„Emilia Pérez“: Karla Sofía Gascón wehrt sich erfolglos gegen Rassismus-Vorwürfe

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Karla Sofía Gascón, die als erste offen trans Schauspielerin für einen Oscar nominiert wurde, kämpfte in einem CNN-Interview mit den Tränen. Die 52-Jährige stellte sich den Vorwürfen, die nach der Entdeckung alter, kontroverser Tweets laut wurden. Die Beiträge, die islamfeindliche Aussagen sowie kritische Äußerungen über George Floyd und Diversität bei den Oscars enthielten, sorgten für breite Empörung.  

Im Gespräch mit CNN-Moderator Juan Carlos Arciniegas erklärte Gascón, dass sie die Tweets bereue, sie jedoch nicht ihre wahre Persönlichkeit widerspiegelten. „Ich bin keine Rassistin“, betonte sie. Sie verglich ihre eigene Diskriminierungserfahrung als trans Frau mit der Unterdrückung, die schwarze Menschen in der Geschichte erfahren haben.  

Gascóns Entschuldigung und Erklärungsversuche  

Bereits zuvor hatte die Schauspielerin eine schriftliche Entschuldigung veröffentlicht. „Ich möchte die Diskussion über meine alten Social-Media-Posts anerkennen, die Schmerz verursacht haben. Als jemand aus einer marginalisierten Gemeinschaft kenne ich dieses Leid nur zu gut, und es tut mir zutiefst leid für diejenigen, die ich verletzt habe“, erklärte sie.  

In dem CNN-Interview versuchte Gascón zudem, ihre damaligen Posts zu kontextualisieren. Sie habe ihren X-Account (vormals Twitter) eher wie ein persönliches Tagebuch genutzt und nicht bedacht, dass ihre Äußerungen Jahre später eine so große Reichweite erlangen würden. „Bevor ich bekannt war, haben vielleicht drei Leute meine Beiträge gelesen“, sagte sie.  

Netflix entfernt Gascón aus der offiziellen Oscar-Kampagne, Regisseur distanziert sich

Mittlerweile wurde Gascon von Netflix aus dessen großer Werbekampagne für den wichtigsten Filmpreis der Welt herausgenommen: Netflix startete im Vorfeld der Oscar-Verleihung Anfang März eine große Werbekampagne für den Film, in dieser spielte Gascon eine wichtige Rolle.

Nun wurde die trans Frau allerdings aus allen Kampagnen herausgenommen, wie unter anderem „The Hollywood Reporter“ und „Variety“ berichten. Die Spanierin solle auch nicht mehr an verschiedenen Galaveranstaltungen teilnehmen.

Auch „Emilia Pérez“-Regisseur Jacques Audiard hat sich mittlerweile in einem Interview des US-Branchenportals Deadline.com von Gascón distanziert. Die „hasserfüllten“ Äußerungen seiner Hauptdarstellerin seien „unentschuldbar“, sagte Audiard.

Islamkritische Tweets sorgen für Empörung  

Besonders einige Aussagen über den Islam und muslimische Frauen stießen auf massive Kritik. In einem Tweet aus dem Jahr 2020 wunderte sie sich über die wachsende Zahl muslimischer Schülerinnen in Spanien und kommentierte: „Nächstes Jahr müssen wir wohl Arabisch statt Englisch unterrichten.“ In einem anderen Post bezeichnete sie die religiöse Bekleidung muslimischer Frauen als „zutiefst widerlich“.  

Zusätzlich äußerte sie sich 2021 kritisch über Religion im Allgemeinen: „Ich bin es so leid, von diesem ganzen Mist – Islam, Christentum, Katholizismus – und von allen idiotischen Glaubensrichtungen, die Menschenrechte verletzen.“

Aussagen über George Floyd heizen Debatte weiter an  

Neben ihren islamkritischen Tweets sorgten auch ältere Aussagen über George Floyd für heftige Reaktionen. Floyd, dessen Tod 2020 weltweite Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus auslöste, bezeichnete sie in einem Tweet als „drogensüchtigen Betrüger“. Später relativierte sie ihre Worte und erklärte, dass ihr Post falsch interpretiert worden sei.  

„Ich denke, dass sich sehr wenige Menschen tatsächlich für George Floyd interessiert haben, aber sein Tod hat erneut gezeigt, dass es Menschen gibt, die Schwarze immer noch als Affen ohne Rechte betrachten und Polizisten als Mörder. Beide Seiten liegen falsch“, schrieb sie damals.

In weiteren Tweets hat sie auch Prominente, unter anderem ihre Kollegin Selena Gomez, und die nach Unabhängigkeit strebenden Katalanen beleidigt. Sie sei nicht rassistisch, aber sie benutze „viel Ironie, Sarkasmus, manchmal auch Übertreibung“, so Gascón in einem Interview.

Kritik an Netflix und ihrer Talent-Agentur  

Der Skandal betrifft nicht nur Gascón selbst, sondern auch Netflix, das den Film „Emilia Pérez“ vertreibt, sowie ihre Talent-Agentur UTA. Medien wie die renommierte spanische Tageszeitung El País fragen sich, wie es möglich sei, dass niemand die alten Tweets vor ihrer internationalen Karriere überprüft habe.  

Die Welle der Empörung hat auch Auswirkungen auf die Oscar-Chancen des Films. Experten gehen davon aus, dass die 13-fach nominierte Produktion durch die Kontroverse geschwächt wird. Einige Branchenbeobachter halten es für wahrscheinlich, dass die Academy-Mitglieder Gascóns Kommentare bei ihrer Wahl berücksichtigen werden.  

Gascón hält an ihrer Nominierung fest  

Trotz der heftigen Kritik gibt sich Gascón kämpferisch. Sie erklärte, dass sie nicht vorhabe, ihre Oscar-Nominierung zurückzuziehen. In ihrem Interview sprach sie von einer „Kampagne des Hasses“, die sich gegen sie als trans Frau richte. Ihre Äußerungen seien teilweise ironisch gemeint gewesen und aus dem Kontext gerissen worden.  

Wie sich der Skandal auf die Preisverleihung am 2. März auswirkt, bleibt abzuwarten. Doch schon jetzt hat er die Erfolgsgeschichte von „Emilia Pérez“ stark überschattet.

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