HomeMagazinQueer IconsKönig James VI. und I.: Liebe, Macht und die Suche nach Nähe

König James VI. und I.: Liebe, Macht und die Suche nach Nähe

König James war ein Monarch mit vielen Facetten. Er regierte mit Intelligenz und Weitsicht, doch hinter der politischen Macht stand ein Mann voller Emotionen, Sehnsüchte und tiefer Bindungen. Besonders seine innigen Beziehungen zu männlichen Favoriten machen ihn für viele heute zu einer queeren Ikone.

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König James VI. von Schottland und I. von England (1566–1625), auf Deutsch bekannt als König Jakob, ist in einer Welt voller politischer Intrigen aufgewachsen. Seine Mutter, Maria Stuart, wurde hingerichtet, als er noch ein Kleinkind war, und er hat früh gelernt, dass Nähe nicht selbstverständlich ist.

Zwischen Macht und Zuneigung

Vielleicht hat ihn diese Einsamkeit später dazu gebracht, nach tiefen, echten Verbindungen zu suchen. James hatte schon immer das Bedürfnis nach Nähe. Das zeigte sich nicht nur in Freundschaften, sondern auch in leidenschaftlichen Beziehungen zu Männern, die ihm viel bedeuteten.Schon als Jugendlicher hatte er eine enge Bindung zu Esmé Stewart entwickelt, einem charismatischen Höfling. Mit 13 Jahren holte er ihn an den Hof. Zeitzeugen berichten von einer fast magischen Anziehung zwischen den beiden.

Doch nicht alle sahen diese Verbindung mit Wohlwollen. Der schottische Adel misstraute Esmérs Einfluss und zwang ihn ins Exil, woraufhin James untröstlich war. In seinen Briefen aus dieser Zeit liest man die tiefe Trauer – er hatte nicht nur einen Vertrauten verloren, sondern wohl auch jemanden, den er aufrichtig liebte.

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James suchte die Nähe zu jungen Männern, die ihn faszinierten

Auch später suchte James die Nähe zu jungen, ihn faszinierenden Männern. Robert Carr tauchte eines Tages in James‘ Leben auf, als er bei einem Reitturnier stürzte. James kümmerte sich rührend um ihn, und aus der ersten Fürsorge wurde bald eine innige Verbindung. Carr stieg rasch auf, doch mit der politischen Macht kamen auch Intrigen. Als ein Mordskandal ihn erschütterte, zerbrach das Vertrauensverhältnis zwischen ihm und dem König.

Eine noch tiefere Verbindung hatte James zu George Villiers. James war sofort hin und weg und nannte ihn in seinen Briefen „meinen Schatz“ und „meinen Ehemann“.Villiers hatte die Gabe, sich am Hof zu behaupten, und blieb für Jahre an James‘ Seite, bis der König starb.Ihre Beziehung war nicht nur politisch, sondern auch persönlich. In einer Zeit, in der gleichgeschlechtliche Liebe gesellschaftlich geächtet war, hat James sich nicht gescheut, seine Zuneigung offen zu zeigen.

In nach heutigen Maßstäben zu sehen wäre zu einfach

Heute wird James oft als queere Ikone betrachtet. Aber es wäre zu einfach, ihn in moderne Kategorien zu pressen. Moderne Konzepte von sexueller Identität wie „homosexuell“ oder „bisexuell“ gab es im 16. und 17. Jahrhundert noch nicht. James war mit Anne von Dänemark verheiratet und hatte mit ihr mehrere Kinder. Gleichzeitig hatte er aber auch intensive Beziehungen zu Männern, die wahrscheinlich auch körperlich waren.

Historiker:innen raten deshalb davon ab, heutige Kategorien auf historische Figuren anzuwenden. Stattdessen sollte man James‘ Beziehungen im Kontext der damaligen Zeit betrachten. Denn enge Freundschaften zwischen Männern und körperliche Zuneigung wurden damals ganz anders gesehen als heute.

Ein Zeichen dafür, wie fluide Sexualität schon immer war

Trotzdem war er eine außergewöhnliche Figur.In den letzten Jahrzehnten ist das Interesse an James‘ Sexualität und seinen gleichgeschlechtlichen Beziehungen gestiegen. Er wird immer öfter als Beispiel für queere Herrscherfiguren gesehen. Dabei ist es wichtig, dass man ihn als historische Persönlichkeit mit seiner ganzen Komplexität betrachtet und nicht vereinfacht.

König James war eine faszinierende und vielschichtige Figur. Seine Regentschaft und sein Privatleben zeigen ziemlich gut, wie kompliziert die Themen Macht, Geschlecht und Sexualität in der frühen Neuzeit waren. Er zeigt uns, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen und fluide Sexualitäten schon immer ein Teil der Menschheit waren. Aber in verschiedenen Epochen wurden sie unterschiedlich gesehen und gelebt.

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