Am Samstagabend verwandelte sich der Grazer Congress erneut in eine Bühne der Extravaganz. Der 34. Tuntenball zog rund 2.500 feierfreudige Gäste an. Das Motto „Born Naked“ nahm das Publikum wörtlich: Mit aufwendigen Bodypaintings, kreativen Verkleidungen und funkelnden Accessoires wurde die Vielfalt der queeren Community gefeiert. „Das Motto muss gut kostümierbar und politisch sein“, erklärte Joe Niedermayer, Chef der RosaLila PantherInnen, die den Ball organisieren, der Kleinen Zeitung .
Stundenlange Vorbereitungen für den großen Auftritt
Viele Gäste ließen sich für ihre Outfits besonders viel Zeit. „Ich habe fünf Stunden gebraucht, bis ich fertig war. Hier darf man frei sein, man braucht einfach keine Angst haben“, erzählte Besucherin Angie Kukling, die mit kunstvoller Körperbemalung strahlte. Auch aus anderen Teilen Österreichs reisten Besucher an.
Traditionell eröffnete die lokale Drag-Ikone Grazia Patricia die Veranstaltung. In einer eindrucksvollen Darbietung als Marlene Dietrich erinnerte sie daran, dass sich Geschichte wiederholen könne, gleichzeitig aber Hoffnung bestehe. „Wir möchten zeigen, dass es möglich ist, dass wir alle auf einem Fleck wohnen – egal welche Hautfarbe, wie viel Kilo oder welche Sexualität“, betonte sie.
Ehrung für soziales Engagement
Ein Highlight des Abends war die Verleihung des Tuntenball Courage-Awards. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an das Wiener Jugendzentrum „Q:WIR“, das sich für die queere Jugend einsetzt. Begeisterung lösten zudem die mitreißenden Performances von Poledancer Simon K Pole und den Tänzerinnen von Cirque Rouge aus. Damit auch bei knappen Outfits alles an seinem Platz blieb, gab es eine spezielle Reparaturstation mit Kleber, Nähzeug und Glitzer.
Ein weiterer Höhepunkt des Balls war das Finale des Tuntenball Drag Race. Unter tosendem Applaus kämpften vier Teilnehmer:innen um den Titel. Der Sieg ging schließlich an Dragking Alex Fine, der mit einer Performance des Songs Defying Gravity aus dem Musical Wicked überzeugte. Später sorgte die italienische Spice-Girls-Coverband „Spice 4 Ever“ mit Hits wie Wannabe für ausgelassene Stimmung und verwandelte den Stefaniensaal in ein Lichtermeer.
Ein Ball mit gesellschaftlicher Bedeutung
Neben all dem Glamour hat der Tuntenball auch eine ernsthafte Seite. Die Einnahmen finanzieren ein Jahr lang die Arbeit der RosaLila PantherInnen. Trotz vieler Fortschritte sieht Niedermayer weiterhin Handlungsbedarf. „Nur weil ein schwules Paar heiraten darf, heißt das nicht, dass es gesellschaftliche Gleichstellung gibt“, betonte er.
Auch zahlreiche bekannte Gesichter waren unter den Gästen. Künstler:innen wie Willi Gabalier, Gery Keszler, Jazz Gitti und Tom Lohner zeigten sich am roten Teppich. Besonders emotional wurde es für Dragqueen Gloria Hole: „Es ist mein letzter Tuntenball als Gloria, aber ich werde dem Ball weiterhin treu bleiben.“
Ein Fest für die queere Community
Vertreter:innen aus der Politik nutzten den Abend, um ihre Solidarität zu zeigen. Claudia Plakolm und Nico Marchetti (ÖVP), Anna Robosch und Mario Lindner (SPÖ), Anna Slama und Veronika Nitsche (Grüne) sowie Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) waren vor Ort. Die steirischen Neos konnten aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen, während die FPÖ dem Ball traditionell fernblieb. „Die politische Repräsentanz war schon einmal besser, das macht mich traurig“, kommentierte Niedermayer.
Der Tuntenball bleibt ein einzigartiges Ereignis, das nicht nur durch seine schrille Inszenierung, sondern auch durch seine gesellschaftliche Relevanz beeindruckt. Zwischen Glitzer, Glamour und politischer Botschaft wurde auch heuer wieder gezeigt: Diversität und Akzeptanz gehören gefeiert.

