Geht es nach der ungarischen Regierung, soll die diesjährige Budapest Pride nicht mehr als Parade auf der zentralen Andrássy-Allee stattfinden, sondern in einem „geschlossenen Raum“. Das erklärte Gergely Gulyás, der Stabschef von Ministerpräsident Viktor Orbán, am Mittwoch. Als Begründung führte er den Schutz von Kindern an.
Teil eines restriktiven LGBTI-Kurses
Die Pläne sind ein Teil der anhaltenden Einschränkungen der LGBTI-Community durch die Regierung Orbán zu sein. Der nationalkonservative Ministerpräsident bereitet sich auf die Parlamentswahlen 2026 vor, bei denen seine rechte Fidesz-Partei mit einem neuen politischen Herausforderer konfrontiert ist.
Queere Aktivisten betonen, dass die Pride ein familienfreundliches Event sei und keine Gefahr für Kinder darstelle. Die Organisatoren der Parade reagierten zunächst nicht auf Anfragen zu den Regierungsplänen.
Orbán: Pride ist „Zeit- und Geldverschwendung“
Ministerpräsident Viktor Orbán äußerte sich bereits am Wochenende kritisch zur Pride. „Die Organisatoren können sich das in diesem Jahr sparen. Das wäre Zeit- und Geldverschwendung“, sagte er vor Anhängern. Konkrete Maßnahmen nannte er dabei nicht.
Sein Stabschef Gulyás konkretisierte nun, dass die Pride „nicht mehr wie in der Vergangenheit“ stattfinden solle. Ein Event in geschlossenen Räumen sei aus Sicht der Regierung unproblematisch, sagte er gegenüber der Nachrichtenseite 24.hu.
Langjährige Tradition auf der Andrássy-Allee
Seit Jahrzehnten zieht die Budapest Pride durch die breite, von Bäumen gesäumte Andrássy-Allee im Zentrum der Hauptstadt. Die Parade gilt als eine der wichtigsten LGBTQ+-Veranstaltungen in Osteuropa.
Orbán, der seit 2010 regiert, verfolgt eine christlich-konservative Agenda. 2021 führte seine Regierung ein Gesetz ein, das die „Förderung von Homosexualität“ unter Minderjährigen verbietet. Die Europäische Union und Menschenrechtsorganisationen kritisierten dieses Gesetz scharf.
Kritik aus der EU
Die Regierung betont, das Gesetz diene dem Kinderschutz und richte sich nicht gegen LGBTI-Personen. Dennoch sorgte die Regelung für große Unsicherheit in der Community. 2022 reichte die Europäische Kommission eine Klage gegen Ungarn beim Europäischen Gerichtshof ein.
Gleichgeschlechtliche Ehen sind in Ungarn nicht anerkannt. Zudem hat Orbáns Regierung die Verfassung geändert, um die Ehe explizit als Verbindung zwischen Mann und Frau zu definieren. Auch Adoptionen durch homosexuelle Paare wurden stark eingeschränkt.

