Nach der HOSI Wien äußert sich nun auch die HOSI Linz zum Programm der heute angelobten Bundesregierung. Und wie bei der Wiener Schwesterorganisation fällt die Bilanz auch in Linz grundsätzlich optimistisch aus – wenn auch mit einigen Kritikpunkten.
„Früher wäre ein vollständiges Verbot von Konversionstherapien nicht möglich gewesen. Dass es nun kommt, zeigt, dass die Rechte aller queeren Menschen ernst genommen werden“, sagt Michael Müller, Sprecher der HOSI Linz.
Kritik an Einschränkungen für transidente Jugendliche
Während viele Punkte des Regierungsprogramms positiv bewertet werden, äußert die HOSI Linz Kritik an der geplanten Verschärfung des Umgangs mit Pubertätsblockern. Sie befürwortet zwar wissenschaftliche Studien und Qualitätssicherung, warnt aber davor, medizinische Standards durch politische Entscheidungen zu beeinflussen.
„Pubertätsblocker sind für viele transidente Jugendliche unverzichtbar. Eine Einschränkung könnte sie in eine extreme Notlage bringen“, so Müller. Die HOSI Linz fordert daher, dass Forschungsergebnisse nicht für politische Zwecke missbraucht werden. Nicht ohne Grund, wie die Situation in Großbritannien zeigt: Dort haben entsprechende Studien zu einem Verbot von Pubertätsblockern für trans Jugendliche geführt.
Kein Fortschritt beim Diskriminierungsschutz
Enttäuschend ist für die HOSI Linz, dass der Diskriminierungsschutz nach wie vor nicht auf den privaten Bereich ausgedehnt wird. Während Benachteiligungen in der Arbeitswelt bereits verboten sind, gilt dies nicht für die Wohnungssuche oder private Dienstleistungen. Müller sieht darin ein deutliches Zeichen, dass es in der ÖVP und bei den NEOS noch Widerstände gegen eine vollständige Gleichstellung gibt.
Trotz dieser Kritikpunkte sieht die HOSI Linz in diesem Regierungsprogramm eine Chance für die queere Community. Im Vergleich zu einer möglichen FPÖ-ÖVP-Regierung seien viele befürchtete Rückschritte verhindert worden. „Jetzt kommt es darauf an, dass die Maßnahmen auch tatsächlich umgesetzt werden“, betont Müller.
Die HOSI Linz werde die Entwicklungen genau beobachten und sich gemeinsam mit anderen queeren Organisationen für eine konsequente Umsetzung einsetzen, kündigte der Vereinssprecher an.

