Wenn es um queere Reisen geht, fallen einem sofort einige Orte ein – vom Regenbogenkiez in Berlin-Schöneberg über das Greenwich Village in New York bis zu Chueca in Madrid. Aber auch Asien taucht immer öfter auf den Reiseplänen der queeren Community auf.
Ein Kontinent entdeckt seine alten Traditionen neu
Denn das queere Leben in Asien wird immer sichtbarer: Von der elektrisierenden Drag-Szene in Manila bis hin zur gesellschaftlichen Anerkennung von Transidentitäten in Kathmandu – immer mehr asiatische Städte verleihen dem Feiern von Queerness in all ihren globalen Formen eine atemberaubende neue Dimension.
Asien ist mit seinen 48 Ländern, fast fünf 4,6 Milliarden Einwohnern und einer Landfläche von über 43 Millionen Quadratkilometern ein faszinierendes Kontinent. Und auch, wenn dieser Artikel viele weitere aufregende Facetten dieses queeren Lebensraums zeigt – er kann nur an der Oberfläche dessen kratzen, was es in Asien zu entdecken gibt.
Wir haben uns sieben faszinierende Städte in Asien genauer angesehen. Sie alle stehen für unvergessliche, spannende und herzliche queere Erfahrungen – auch, wenn man sie vielleicht auf dem ersten Blick nicht gleich auf dem Schirm hat. Es zahlt sich aus, seinen Horizont auch in diese Richtung zu erweitern!
Bangkok, Thailand: Das queere Herz Südostasiens

Bangkok ist laut, wild und absolut queer. In den Vierteln Silom Soi 2 und Silom Soi 4 kann man jede Nacht die ganze Nacht durchfeiern. Wer zum ersten Mal durch die Straßen von Silom Soi 4 schlendert, wird sofort von der Energie dieser Stadt mitgerissen.
In der Stranger Bar servieren Dragqueens extravagante Performances, während nebenan in der DJ Station bis in die Morgenstunden getanzt wird. Der Club G.O.D. (G Bangkok) ist ein Muss für alle Nachtschwärmer:innen mit seinen spektakulären Lichtshows und mitreißenden Techno-Beats.
Und während die offizielle Pride der Stadt jedes Jahr im November stattfindet, wird im Dezember die White Party gefeiert, ein schwules Neujahrsfest, das jährlich über 25.000 Partygänger anzieht.

Doch Bangkok ist nicht nur Party. Im April ist das thailändische Neujahrsfest Songkran, und das ist ein echtes Highlight. Die Straßen verwandeln sich in eine riesige Wasserschlacht – ein Symbol für Erneuerung, aber auch für Gleichheit: Jeder ist eingeladen, mitzumachen.
Areeya Taylor, thailändische Reiseexpertin von SoRealGuide , beschreibt es gegenüber der South China Morning Post so: „Es ist, als würde die ganze Stadt dich umarmen.“ Diese Offenheit zeigt sich auch in der Politik: Im Jahr 2025 wurde Thailand das erste südostasiatische Land, das die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare öffnete.
Wer nach einer entspannten Pause von Bangkoks Trubel sucht, wird in den queeren Cafés von Ari fündig. Ein Besuch des Museum of Contemporary Art (MOCA), das regelmäßig Werke queerer Künstler:innen zeigt, lohnt sich natürlich auch.
Taipeh, Taiwan: Das queere Mekka mit kulturellem Flair

„Taipeh fühlt sich an wie ein zweites Zuhause für queere Reisende“, sagt Jay Lin, Gründer des Taiwan Queer Film Festival, im Interview mit dem Nachrichtensender CNN. Schon beim ersten Spaziergang durch das quirlige Viertel Ximending wird klar, warum: Das ikonische Rote Haus im Stadtteil Ximending bildet das Herzstück der queeren Szene. Hier konzentrieren sich über 25 schwule Bars, Geschäfte und Restaurants.
Das Haus war unter anderem bereits ein Geschäftshaus, ein Theater für Peking-Opern und ein Teeladen. Es ist das unangefochtene Herzstück der queeren Szene in Asien. Das Rote Haus ist das lokale Symbol des Wandels und die Entwicklung zu einem der größten queeren Treffpunkte ist nur natürlich.

Und nicht nur das Rote Haus selbst ist ein Highlight, auch die meisten Coffeeshops, Bekleidungsgeschäfte und Verkäufer auf dem Nachtmarkt rund um das Rote Haus sind in queerer Hand. Hier gibt es einfach alles – von der entspannten Dalida Bar, die mit ihrer Open-Air-Atmosphäre und leckeren Cocktails lockt, bis zum pulsierenden Bacio, das für seine sensationellen Go-Go-Tänzer und Drag-Shows bekannt ist.
Wer auf ausgefallene Themenpartys steht, sollte sich die sensationelle Locker Room Bar auf keinen Fall entgehen lassen. „Die Wet Show ist legendär“, schwärmt der schwule, asiatisch-kanadische Reiseblogger Barry Hoy im Gespräch mit dem Condé Nast Traveler. Bei der Show werden „oft Zuschauer auf die Bühne gezogen und nass gemacht“, verrät er.
Ein absolutes Highlight ist die Taipei Pride. Im Jahr 2024 strömten über 180.000 Menschen auf die Straßen – ein neuer Rekord. Seit Taiwan 2019 als erstes asiatisches Land die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet hat, gilt es als LGBTI-Vorzeigestaat der Region. „Taiwan hat bewiesen, dass Fortschritt möglich ist“, sagt Audrey Tang, Taiwans erste offen nicht-binäre Ministerin.
Neben der queeren Szene punktet Taipeh mit seiner außergewöhnlichen Street-Food-Kultur. Vom berühmten Din Tai Fung bis zu den kleinen Garküchen auf dem Shilin-Nachtmarkt – hier kommen Feinschmecker voll auf ihre Kosten.
Kathmandu, Nepal: Himalaya-Abenteuer mit LGBTI-Herz

Kathmandu ist magisch – eine Stadt, in der Tempelrauch durch die Luft zieht und buddhistische Mönche an hippen Cafés vorbeischlendern. Die Stadt ist von einem Ring des Himalaya-Gebirges umgeben und erstreckt sich entlang sanfter grüner Hügel, die mit Pagoden mit Bronzedächern übersät sind.
Doch was viele nicht wissen: Nepal gehört zu den LGBTI-freundlichsten Ländern Asiens. Schon 2007 erkannte das Land eine dritte Geschlechtskategorie an, und 2023 wurde die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet.
Im quirligen Viertel Thamel, wo sich das Herz der queeren Szene befindet, liegt die PINK Tiffany Bar, gegründet von der trans Aktivistin Meghna Lama. Hier trifft sich eine bunte Mischung aus Locals und Reisenden. „Wir wollten einen sicheren Raum schaffen – und jetzt ist es einer der beliebtesten Orte der Stadt“, erzählt Meghna begeistert.

Kathmandu ist auch der perfekte Ausgangspunkt für Abenteuer. Queerfreundliche Tourenanbieter organisieren Trekkingreisen in die atemberaubende Bergwelt des Himalayas. „Es gibt nichts Befreienderes, als auf 5.000 Metern Höhe den Sonnenaufgang zu erleben“, schwärmt Kiran, ein schwuler Reiseleiter, im Gespräch mit dem National Geographic Magazine.
Die Haupttrekkingsaison beginnt gegen Ende September und dauert bis Juni, wenn der Monsun nachlässt und die Skyline klarer wird. Der Frühling ist einfach traumhaft, wenn die Berge in sattem Grün erstrahlen und die Blumen in voller Blüte stehen. Und im Sommer können Gruppen in hochgelegene Gebiete wie Mustang aufsteigen und atemberaubende Sonnenuntergänge bewundern.
Ulaanbaatar, Mongolei: Queere Nischen in der Weite der Steppe

Und auch in der Weite der Steppe findet sich ein queeres Nischenoase – in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar. Zwar mag die Mongolei nicht als klassisches queeres Reiseziel gelten, doch in der Hauptstadt wächst eine kleine, aber feine queere Community.
„Wir haben keine riesige Szene wie in Bangkok oder Taipeh, aber unsere Gemeinschaft ist unglaublich eng verbunden“, sagt Zorig, Gründer der queeren Bar HANZO railway, im Gespräch mit The Diplomat.
Ein zentraler Anlaufpunkt ist das LGBT Centre, die einzige Organisation des Landes, die sich seit 2007 für die Rechte sexueller Minderheiten einsetzt. Hier finden regelmäßig Workshops und die jährlichen „Equality and Pride Days“ statt, die 2018 erstmals über 200 Teilnehmer:innen anzogen. „Die Mongolei verändert sich langsam, aber wir sind hier, wir sind sichtbar und wir werden lauter“, sagt Anaraa Nyamdorj, Mitbegründer:in des LGBT Centre, und man spürt die Begeisterung in ihrer Stimme.
Ein weiterer Hotspot ist die Republik Bar, ein Treffpunkt für junge queere Mongol:innen und Reisende. Die Szene ist klein, aber dafür umso lebendiger. Hier findet jeder schnell Anschluss. Nachts trifft man sich in Bars und kleinen Clubs – tagsüber bieten sich Ausflüge in die spektakulären Landschaften an.
Ein absolutes Highlight ist eine Reise in die mongolische Steppe, wo Reisende in traditionellen Jurten (Gers) übernachten und die unendliche Weite genießen können. Scott Marquardt, der Leiter von Out Adventures, bringt es auf den Punkt: „Es gibt kaum ein befreienderes Gefühl, als nachts unter dem klaren Sternenhimmel zu liegen und zu wissen, dass hier draußen alles möglich ist.“
Manila, Philippinen: Drag, Design & queere Geschichte

„Manila ist eine Stadt der Gegensätze – aber eins bleibt konstant: Die Liebe zur queeren Kultur„, macht Naia Black, eine der bekanntesten Dragqueens der Stadt, gleich zu Beginn klar. Queere, nicht-binäre und dritte Geschlechtsidentitäten sind seit jeher ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Erbes des philippinischen Archipels. Auch heute noch sind queere Filipinos stolz darauf, diese Tradition fortzuführen.
Ein absolutes Muss ist die berühmte O Bar, die für ihre spektakulären Shows und die Talente bekannt ist, die hier ihre Karriere starten. Wer es lieber etwas ruhiger mag, dem sei das Butterboy Bakehouse in Quezon City ans Herz gelegt, wo man jeden Sonntag einen ursprünglichen Drag-Brunch erleben kann.“Wir waren von Anfang an queer – von den Bäcker:innen bis zur Musik“, lacht Hilder Demeterio, Mitinhaberin des Bakehouse, im Gespräch mit dem philippinischen Ableger von CNN.
Ihr Geheimtipp für Designliebhaber:innen ist das Magdamag Market Café, ein familiengeführtes Kreativzentrum, das Pop-up-Veranstaltungen für die Community veranstaltet.Sie empfiehlt auch einen Besuch im Papa Kape für seinen einzigartigen Kaffee, einen Black Gulaman Americano, und erfrischende saisonale Angebote wie einen Mango-Sampalok-Eistee.
Tokio, Japan: Queere Kultur zwischen Tradition und Moderne

Shinjuku Ni-chome ist der Hotspot für queeres Nachtleben in Tokio. „Es gibt über 300 LGBTI-Bars in diesem kleinen Viertel – mehr als in fast jeder anderen Stadt der Welt“, sagt Andres Zuleta, Gründer von Boutique Japan, der Japan Times.
Die Geschichte des Schwulenviertels reicht dabei bis in die Zeit der amerikanischen Besatzung Japans zurück. Heute bietet Ni-chome neben Bars, Restaurants, Cafés, Saunen und sogar spezielle Cruising-Spots.
Während Clubs wie die O Bar, das Nectar und der F Club für Partynächte sorgen, gibt es in Ni-chome auch ruhige Orte. Die Goldfinger Bar, eine der bekanntesten lesbischen Bars Japans, zieht Besucher:innen aus aller Welt an.
Doch Tokio ist nicht nur für sein Nachtleben bekannt. Wer sich für queere Kultur interessiert, sollte sich das Tokyo Rainbow Pride Festival nicht entgehen lassen oder eines der zahlreichen LGBTI-Filmfestivals besuchen.
Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam: Stilvoll & entspannt

Vietnam ist auf dem besten Weg, eines der LGBTI-freundlichsten Reiseziele Asiens zu werden. „Es gibt nicht viele explizit queere Orte hier, aber die Szene ist offen und herzlich“, sagt Linh, Mitbesitzer der Thi Bar in der Hauptstadt Ho-Chi-Minh-Stadt.
Dort spielt sich das queere Leben vor allem in der De Tham Straße ab. Hier locken schwulenfreundliche Bars wie die Thi Bar, die von einem französisch-vietnamesischen Paar geführt wird, und die Frolic Bar, die sowohl Einheimische als auch internationale Gäste anzieht.
Für alle Luxusliebhaber:innen gibt es das Park Hyatt Saigon, eine erstklassige Adresse, während die Azure Pool-Bar-Lounge in Distrikt 3 mit ihrer entspannten Atmosphäre überzeugt. Wer es etwas günstiger mag, für den sind das Myst Dong Khoi, ein angesagter Ort mit Dachterrassenpool, und die Villa Sông Saigon im Distrikt 2, ein schwulenfreundliches Boutique-Hotel am Fluss mit einer Fassade im französischen Kolonialstil, genau das Richtige.
Ein Kontinent voller Vielfalt
Von Pride-Paraden in Taipeh über Drag-Shows in Manila bis zu Wanderungen in Nepal – Asien bietet queeren Reisenden ein unglaubliches Spektrum an Erlebnissen. Jede dieser Städte zeigt, dass queere Kultur in Asien nicht nur existiert, sondern auch wächst. Wer einmal hier war, wird garantiert wiederkommen.

