„Doch jeder mordet, was er liebt, sei jeder das belehrt, mit schmeichelndem Wort, mit bitterem Blick, nach jedes Art und Wert; Der Feige mordet mit einem Kuss, der Tapfere mit einem Schwert“, heißt es in Oscar Wildes Ballade vom Zuchthaus. Ihr ist der Titel des jüngsten Buches des Wiener Philosophen und Autors Alfred Pfabigan entlehnt – und auch dessen Inhalt.
In seinem Buch beleuchtet Pfabigan die schwierige Beziehung zwischen Oscar Wilde und Lord Douglas
In seinem Buch „Jeder mordet, was er liebt“ beleuchtet Alfred Pfabigan die komplexe Beziehung zwischen dem berühmten Schriftsteller Oscar Wilde und dem jungen Lord Alfred Douglas. Pfabigan, der sich intensiv mit der Wiener Moderne und theologischen Fragen auseinandergesetzt hat, bringt seine analytische Schärfe in dieses Werk ein.
Douglas wird in der Literaturgeschichte für den Niedergang Wildes verantwortlich gemacht, der am 30. November 1900 verarmt, geschwächt und moralisch verwahrlost im Alter von 46 Jahren in einem billigen Pariser Hotel stirbt.
Unbekannte Details eines weltberühmten Skandals
Pfabigan macht bisher unbekannte Details des Skandals sichtbar und verweist auf die sexualpolitische Bedeutung der Beziehung. Mit ihrem glamourösen Auftreten brach das Paar nicht nur die viktorianische Regel „Don’t ask, don’t talk“, sondern machte ihre Neigungen bewusst sichtbar.
Das Buch bietet einen tiefen Einblick in die leidenschaftliche und oft turbulente Beziehung zwischen Wilde und Douglas, eingebettet in die restriktiven gesellschaftlichen Normen des viktorianischen Englands. Pfabigan schildert nicht nur die persönlichen Höhen und Tiefen der beiden Männer, sondern auch die gesellschaftlichen Folgen ihrer Liebe in einer Zeit, in der Homosexualität kriminalisiert wurde.
Die Zeit wird noch einmal lebendig
Pfabigan gelingt es, die emotionale Intensität und Tragik dieser Beziehung einzufangen, ohne in Klischees zu verfallen. Sein Schreibstil ist zugänglich und doch tiefgründig, was das Buch sowohl für Kenner der Materie als auch für Neulinge interessant macht. Besonders hervorzuheben ist seine Fähigkeit, die historischen und sozialen Hintergründe der Zeit lebendig darzustellen, so dass der Leser die Herausforderungen, denen sich Wilde und Douglas stellen mussten, gut nachvollziehen kann.
Alles in allem ist „Jeder mordet, was er liebt“ eine lesenswerte und einfühlsame Darstellung einer der bekanntesten Liebesgeschichten des 19. Jahrhunderts, die den Leser zum Nachdenken über Liebe, Gesellschaft und die Folgen von Vorurteilen anregt.


