Thomas Hitzlsperger, ehemaliger deutscher Nationalspieler und TV-Experte, hat in einem Interview mit dem britischen Magazin Attitude Fußballprofis kritisiert, die öffentlich für die Rechte der LGBTI-Community eintreten, aber gleichzeitig finanzielle Vorteile aus Ländern ziehen, in denen Homosexuelle verfolgt werden.
Kritik an Beckham und Henderson
Besonders hart geht er mit dem ehemaligen englischen Nationalspieler David Beckham ins Gericht, der während der umstrittenen Fußball-WM 2022 als Botschafter für die Tourismusbehörde von Katar tätig war. „Er ist ein globaler Superstar, und er hat es geschafft, eine Menge Geld für sich selbst zu verdienen“, sagte Hitzlsperger. „Viele Menschen wollen das, und auf dem Weg dorthin entstehen Widersprüche oder Heuchelei. Ich glaube, das ist das richtige Wort dafür.“
Über Beckhams Engagement für LGBTI-Themen äußerte er sich skeptisch. „Ich denke, er war ein großartiger Fußballer, aber der Rest ist… Er hat das Geldverdienen professionalisiert, gut für ihn. Aber man sollte nicht wirklich ernst nehmen, was diese Leute in der Öffentlichkeit sagen.“
Parallelen zu Jordan Henderson
Hitzlsperger zog in dem Interview zudem eine Verbindung zwischen Beckham und Jordan Henderson, dem ehemaligen Kapitän des FC Liverpool. Henderson hatte sich jahrelang als Unterstützer der Rainbow-Laces-Initiative der Premier League präsentiert, unterschrieb aber 2023 einen lukrativen Vertrag beim saudi-arabischen Klub Al-Ettifaq.
„Für mich funktioniert das nicht. Ich kann diese beiden Dinge nicht in Einklang bringen“, betonte Hitzlsperger. „Man kann nicht sagen: ‚Ich unterstütze die Community und jeder soll sein Leben so leben, wie er will‘, und dann in Saudi-Arabien unterschreiben – einem Land mit Gesetzen, die genau das Gegenteil ermöglichen.“
Die Kritik an Henderson war damals groß, und nach nur sechs Monaten löste er seinen ursprünglich auf drei Jahre angelegten Vertrag wieder auf. Zuvor hatte er noch für die Bewerbung Saudi-Arabiens als Gastgeber der Fußball-WM 2034 geworben. Inzwischen spielt der Engländer für Ajax Amsterdam.
Hitzlsperger: „Ich bin fast abgestumpft“
Hitzlsperger, der sich 2014 als erster prominenter Ex-Spieler öffentlich als schwul outete, zeigt sich von solchen Entwicklungen zunehmend ernüchtert. „Sie unterstützen Gay Rights, wenn es gut für sie ist, wenn es vielleicht ihren Ruf verbessert – und am nächsten Tag nehmen sie den höheren Gehaltsscheck von jemand anderem an. Das ist die Realität“, stellte er fest.
Er selbst sei inzwischen müde, sich immer wieder zu solchen Fällen äußern zu müssen. „Ich habe es satt, mich ständig zu Wort zu melden, weil es dann wirkt, als würde man die ganze Zeit nörgeln. Und ich versuche, eine positive Sichtweise zu finden.“ Dennoch hält er es für wichtig, dass Widersprüche und Heuchelei öffentlich benannt werden. „Es ist gut, wenn solche Dinge aufgedeckt und kritisiert werden, aber es frustriert mich, dass sich daran so wenig ändert.“
Hitzlsperger fordert mehr Ehrlichkeit von Fußballprofis und mahnt zu echtem Engagement anstelle bloßer Symbolik. Seiner Meinung nach sollten Spieler, die sich als Unterstützer der LGBTI-Community präsentieren, konsequenter handeln und nicht aus wirtschaftlichen Gründen mit Staaten kooperieren, die Menschenrechte missachten.

