Anfang Februar sorgte eine Wahlumfrage des Datingportals Romeo für Aufsehen: Von den 60.500 abgegebenen Stimmen entfielen 28 Prozent auf die AfD – deutlich mehr als auf andere Parteien. Damit war die in Teilen rechtsextreme Partei unter den “Romeo”-Nutzern die meistgewählte. Die Ergebnisse führten zu Diskussionen, insbesondere weil frühere wissenschaftliche Studien zu anderen Schlüssen kamen.
Unterschiedliche Ergebnisse sorgen für Diskussionen
So zeigte eine – ebenfalls nicht repräsentative – Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen, dass weniger als drei Prozent der queeren Bevölkerung die AfD unterstützen. Romeo selbst kann diese Abweichung nicht erklären, hält jedoch an der Glaubwürdigkeit seiner Umfrage fest.
In einer ausführlichen Stellungnahme weist Romeo nun den Verdacht zurück, die Ergebnisse seien gezielt manipuliert worden – etwa durch die Verbreitung des Umfragelinks in Telegram-Gruppen.
Schnelle Abstimmungen als Argument gegen Manipulation
Dagegen sprechen nach Ansicht des Unternehmens zwei Argumente: Zum einen sei die Abstimmung sehr schnell verlaufen. Bereits in den ersten 24 Stunden wurden 28.120 Stimmen abgegeben. Insbesondere in der ersten Stunde war der Anteil der AfD sogar höher als am Ende der Umfrage. Zum anderen seien die Ergebnisse über die gesamte Dauer der Befragung weitgehend stabil geblieben.
Allerdings räumt Romeo ein, dass eine vollständige Kontrolle über die Verbreitung des Links nicht möglich sei. “Während wir die Links nicht außerhalb der App teilen, können wir nicht ausschließen, dass sie weitergegeben werden”, heißt es in der Pressemitteilung. Zudem handele es sich um eine “selbstauswählende Stichprobe”, die nicht für repräsentative Wahlprognosen geeignet sei.
Methodik und politische Einordnung
Romeo verteidigt seine Methodik und verweist darauf, dass ähnliche Trends bereits in Wahlumfragen in Österreich und Frankreich zu beobachten waren. Laut eigenen Angaben erreicht die Plattform hauptsächlich schwule und bisexuelle Männer, was die politische Verteilung der Stimmen beeinflussen könnte. Die hohe Zustimmung zur AfD gehe demnach vor allem auf Kosten der CDU, während linke Parteien leicht über ihrem bundesweiten Wahlergebnis lagen.
Besonders auffällig: Unter den unter 40-jährigen Teilnehmern hätte die AfD sogar 33 Prozent erreicht. “Dieses Ergebnis sollte nicht überraschen, da es mit breiteren Studien über die politische Entwicklung jüngerer Wähler übereinstimmt”, so Romeo.
Das Portal fordert mehr Offenheit gegenüber politisch andersdenkenden queeren Menschen: „Wir möchten queere Vertreter ermutigen, ohne Mauer im Kopf zuzuhören – insbesondere der Jugend“, heißt es. „Unabhängig von den endgültigen Prozentzahlen sehen wir unsere Ergebnisse als einen lauten Hilferuf“, so das Unternehmen.

