Matthew Mitcham hat Sportgeschichte geschrieben. Der Australier gewann 2008 in Peking als erster offen schwuler Mann eine olympische Goldmedaille im Turmspringen. Doch sein Leben nach dem Spitzensport verlief nicht immer geradlinig. Heute sorgt Mitcham mit seiner Tätigkeit als OnlyFans-Creator für Diskussionen – und stellt sich selbstbewusst den kritischen Stimmen.
„Ich habe über 20 Jahre in meinen Körper investiert. Warum sollte ich nicht versuchen, daraus etwas Profit zu schlagen?“ erklärt Mitcham in einem Interview. Sein OnlyFans-Account sei für ihn nicht nur eine Möglichkeit, seine künstlerische Seite auszuleben, sondern auch eine sinnvolle finanzielle Entscheidung.
Schwierige Balance zwischen Mainstream und OnlyFans
Der frühere Olympia-Star spricht offen über die Herausforderungen, die mit seinem Engagement auf der Plattform verbunden sind. Obwohl er betont, dass seine Inhalte eher künstlerisch als explizit pornografisch seien, kämpft er mit gesellschaftlichen Vorurteilen.
„Es ist eine Gratwanderung“, sagt er. „Viele Menschen setzen OnlyFans automatisch mit Pornografie gleich. Dabei ist das, was ich mache, nicht anders als das, was Fitness- oder Model-Fotografen tun.“ Dennoch stelle er fest, dass seine Arbeit auf der Plattform ihm Türen im Mainstream-Bereich verschließt.
„Im Fernsehen oder Radio Fuß zu fassen, ist schwieriger geworden. Manche Produzenten distanzieren sich, weil sie mich nicht mehr als ‚sauberen‘ Prominenten sehen. Da stellt sich die Frage: Warum gelten für Sportlerinnen andere Maßstäbe als für Schauspielerinnen oder Musiker*innen, die sich freizügig zeigen?“
Finanzielle Unsicherheit im Profisport
Ein weiterer Grund für Mitchams Engagement auf OnlyFans ist die finanzielle Unsicherheit im Profisport. Er berichtet, dass seine Einkünfte als Athlet stark schwankten und stark von Erfolgen bei großen Wettkämpfen abhingen.

„Wenn du verletzt bist oder eine Medaille verpasst, kann es finanziell schnell eng werden“, erklärt er. „OnlyFans gibt mir eine gewisse Unabhängigkeit.“
Auch andere Sportler:innen, darunter britische Wasserspringer wie Noah Williams und Jack Laugher, haben inzwischen OnlyFans für sich entdeckt. Mitcham sieht darin eine logische Entwicklung: „Wenn Leute bereit sind zu zahlen, warum sollte man es dann nicht machen? Solange es freiwillig ist, sollte es kein Problem sein.“
Pionier der queeren Sportgeschichte
Neben seinen aktuellen Projekten spricht Mitcham auch über seine Rolle in der queeren Sportgeschichte. Sein Coming-out kurz vor den Olympischen Spielen 2008 machte ihn zum Vorbild, doch er fühlt sich oft übersehen – insbesondere im Vergleich zu britischen Stars wie Tom Daley.

„Tom Daley ist ein sicherer Wert für Marken und Medien“, sagt Mitcham. „Er hat das perfekte Image. Mein Weg war anders – offener, manchmal chaotischer, aber genauso wichtig.“
Er betont, dass es in der LGBTI-Community nicht nur eine Art von Vorbildern geben sollte. „Jeder hat seine eigene Geschichte, und jede verdient es, erzählt zu werden.“
Ein selbstbestimmter Weg
Trotz Kritik bleibt Mitcham sich treu. Sein OnlyFans-Account ist für ihn eine Plattform der Selbstbestimmung – über seinen Körper, seine Karriere und seine Zukunft. Und er macht deutlich: „Letztendlich ist es meine Entscheidung. Mein Körper, meine Regeln.“

