Vivian Jenna Wilson, geboren als Xavier Musk, führt heute ein selbstbestimmtes Leben in Tokio. In einem ausführlichen Gespräch mit dem US-amerikanischen Magazin Teen Vogue gibt sie sich selbstbewusst und kämpferisch.
„Ich möchte in keiner Weise mit meinem biologischen Vater in Verbindung gebracht werden“
Von ihrem Vater, dem Tech-Milliardär und Trump-Berater Elon Musk, hat sie sich nicht nur emotional, sondern auch namentlich distanziert. „Ich möchte in keiner Weise mehr mit meinem biologischen Vater in Verbindung gebracht werden“, schrieb sie 2022 in einem Antrag auf Namens- und Geschlechtsanpassung.
Auf die Frage, ob sie Angst vor ihrem Vater habe, antwortet sie in scharfem Ton: „Er ist ein erbärmliches Menschenkind. Warum sollte ich vor ihm Angst haben? Nur weil er so viel Geld hat? Nein, danke.“
Öffentliche Abrechnung auf der Titelseite
Die Teen Vogue hat Wilson ihre aktuelle Titelgeschichte gewidmet. Darin erzählt die 20-Jährige erstmals ausführlich ihre Sicht der Dinge – ungeschönt und oft mit bissigem Humor. Ihre Aussagen richten sich nicht nur gegen Musk, sondern auch gegen konservative Kräfte in den USA, die Trans-Personen zunehmend unter Druck setzen.
Im Interview geht sie auch auf eine viel diskutierte Szene ein, in der Musk bei einer Veranstaltung den rechten Arm ausstreckte – Kritiker sehen darin einen Nazi-Gruß. Wilson reagiert klar: „Das war definitiv ein Nazi-Gruß. Und das Publikum, das ihm dafür applaudiert hat, sollte dafür genauso kritisiert werden.“
Elon Musk macht seine Tochter für den Schwenk nach rechts verantwortlich – doch die hält dagegen
Elon Musk selbst hatte mehrfach öffentlich seine Tochter als Auslöser für seinen politischen Rechtsruck genannt. In einem Podcast mit Jordan Peterson sagte er: „Ich habe im Grunde meinen Sohn verloren. Es gibt einen Grund, warum man das Deadnaming nennt – weil dein Sohn tot ist.“
Wilson weist diese Darstellung entschieden zurück. Sie sei eine „bequeme Geschichte“, die von der Realität ablenke. „Er ist nicht nach rechts gerutscht, weil ich trans bin. Dass er weiter nach rechts rückt, ist nicht meine Schuld“, betont sie im Interview.
Vivian Jenna Wilson: Aktivismus mit Herz und scharfem Ton
Seit ihrem Coming-out im Jahr 2020 hat sich Wilson in den sozialen Medien einen Namen gemacht. Auf Plattformen wie Threads, Bluesky oder Instagram erreicht sie Hunderttausende. Ihre Reichweite nutzt sie, um auf die Rechte von trans Jugendlichen aufmerksam zu machen. Dabei betont sie: „Die Transition als Minderjährige war für mich medizinisch notwendig. Ohne diese Möglichkeit wäre ich suizidgefährdet gewesen.“
Sie setzt sich für einen uneingeschränkten Zugang zu medizinischer Behandlung für trans Menschen ein – insbesondere für Jugendliche. Die Angriffe auf diese Rechte durch die aktuelle US-Regierung unter Trump bezeichnet sie als „karikaturhaft böse“. Sie kritisiert nicht nur die Gesetzesvorhaben, sondern auch die Passivität der politischen Mitte.
„Ruhm durch Lore“
Trotz ihrer internationalen Bekanntheit sieht sich Wilson nicht als berühmte Person. „Ich bin berühmt durch meine Lore“, sagt sie lachend – eine Anspielung auf die Umstände ihrer Familiengeschichte. Geld habe sie durch die mediale Aufmerksamkeit nicht verdient, aber viel Aufmerksamkeit: „Ich wohne mietfrei in den Köpfen vieler Menschen.“
Ihre Mutter, die Autorin Justine Musk, beschreibt sie gegenüber der Teen Vogue als „groß, wild und kompromisslos in dem, was sie ist“. Das Verhältnis zu ihr sei gut. Ihren Vater hingegen hat Wilson seit 2020 weder gesehen noch gesprochen.
Über ihren umstrittenen Vater: „Ich lasse ihn nicht in meinen Kopf.“
Die Zeit nach dem Interview mit Peterson beschreibt Wilson als Wendepunkt. Damals habe sie sich zum ersten Mal öffentlich gegen ihren Vater gestellt. „Das war der kathartischste Moment in meinem Leben“, sagt sie. Heute stellt sie klar: „Diesen Platz in meinem Kopf räume ich niemandem ein. Das Einzige, was dort frei herumspuken darf, sind Drag Queens.“
Auf die Frage, ob sie ihre Präsenz in den sozialen Medien als Aktivismus versteht, antwortet sie: „Ich sage einfach, was ich denke. Und das tut sie mit deutlichen Worten – gegen Diskriminierung, für Transrechte und immer wieder gegen das politische Umfeld, das sie selbst als „zutiefst gefährlich“ empfindet.

