Die friedliche Idylle der Uckermark wird in Dorit Davids neuem Roman „Lichtgier“ zur Bühne einer spannungsgeladenen Geschichte. Im Zentrum steht der Tod eines pensionierten Chemielehrers, der tot in seiner ausgebrannten Gartenlaube am Uckersee gefunden wird. Die örtliche Polizei vermutet zwar Brandstiftung, schließt aber ein Tötungsdelikt aus – sehr zum Unmut seiner Kinder.
Tochter Peggy stellt eigene Nachforschungen an
Besonders die jüngste Tochter Peggy kann sich mit den offiziellen Erklärungen nicht abfinden. Ihre Zweifel nehmen zu, als sie erfährt, dass der Vater sein gesamtes Erbe einer Frau namens Ida Rutenberg vermacht hat – einer völlig Unbekannten für die Familie.
Peggy beginnt, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Ihre Spurensuche führt sie von Magdeburg bis nach Polen. Dort stößt sie auf eine esoterisch geprägte Kommune, in der sich weitere Rätsel um die Vergangenheit ihres Vaters auftun.
Familiendynamik und Gesellschaftskritik im Fokus
„Lichtgier“ bleibt dabei nicht bei der Kriminalgeschichte stehen. Der Roman erzählt ebenso von politischen Gegensätzen innerhalb der Familie, dem Auseinanderdriften von Ost und West und dem schwierigen Erbe der Nachwendezeit. Die familiäre Konfrontation spiegelt gesellschaftliche Spannungen wider – und beleuchtet, wie politische Überzeugungen Beziehungen prägen können.
Mit besonderer Sorgfalt beschreibt David die Stimmungen der Orte und Innenwelten ihrer Figuren. Die Uckermark wird nicht nur zur Kulisse, sondern zum atmosphärischen Spiegel für innere und äußere Konflikte. „Ich wollte einen Ort schaffen, an dem das Sichtbare und das Verborgene miteinander ringen“, sagt die Autorin über den Handlungsort.
Geheimnisse, Glaubensfragen und die Suche nach Wahrheit
Zentral im Roman ist auch die Frage nach Wahrheit und Manipulation. Die Entdeckung der esoterischen Gruppe stellt Peggy vor die Frage, ob ihr nüchterner Vater möglicherweise selbst anfällig für Verschwörungstheorien war. Diese Unsicherheit zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Nachforschungen – und lässt sie immer tiefer in eine Geschichte eintauchen, die alte Gewissheiten infrage stellt.
Dorit David, 1968 in der Uckermark geboren, lebt seit drei Jahrzehnten als freie Künstlerin in Hannover. Bekannt ist sie für ihr vielseitiges Werk zwischen Literatur, Theater und bildender Kunst. Mit „Lichtgier“ legt sie nun ein Werk vor, das zwischen Krimi, Familiengeschichte und Gesellschaftsroman changiert.
Viel Atmosphäre, starke Figuren – mit kleineren Schwächen
Kritiker:innen loben die dichte Atmosphäre und die lebendig gezeichneten Figuren des Romans. Vor allem die Hauptfigur Peggy wirkt authentisch und nachvollziehbar. Allerdings bleiben einige Nebenhandlungen skizzenhaft und verlieren sich im Verlauf der Erzählung. Dennoch gelingt es David, die Spannung bis zum Schluss aufrechtzuerhalten.
„Lichtgier“ erscheint im Frühjahrsprogramm 2025 und richtet sich an Leser:innen, die psychologisch fein erzählte Spannungsromane mit gesellschaftlichem Tiefgang schätzen.


