HomeNewsChronikWeitere Festnahmen nach Angriffen auf schwule und bisexuelle Männer

Weitere Festnahmen nach Angriffen auf schwule und bisexuelle Männer

Nach dem Bekanntwerden der Übergriffe im Rahmen der Aktion „Venator“ meldet die Polizei nun neue Festnahmen. Auch ein möglicher Zusammenhang mit dem Verbotsgesetz wird geprüft.

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Die Ermittlungen zu den brutalen Überfällen auf meist schwule und bisexuelle Männer in mehreren Bundesländern haben am Wochenende zu weiteren Festnahmen geführt. Wie der Standard berichtet, wurden drei weitere Personen festgenommen. Damit erhöht sich die Zahl der Beschuldigten auf 18. 

NS-Devotionalien entdeckt: Verstoß gegen Verbotsgesetz im Raum

Gegen 13 von ihnen wurde am Sonntag Untersuchungshaft verhängt. Das bestätigte am Montag ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Graz. Bislang gehen die Behörden von mindestens 17 Opfern aus, die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Für alle Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.

Bei mehreren Hausdurchsuchungen stellten die Ermittler Gegenstände mit NS-Bezug sicher. Die Funde werden nun kriminaltechnisch untersucht. Staatsanwaltschaft und Polizei schließen nicht aus, dass auch gegen das Verbotsgesetz verstoßen wurde. Weitere politische Motive oder Strukturen konnten bislang nicht nachgewiesen werden. Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf den rechtsextremen Hintergrund einzelner Verdächtiger.

Den Opfern die Haare rasiert und sie in Frauenkleidern tanzen lassen

Laut Standard organisierten sich die mutmaßlichen Täter über Plattformen wie Telegram. Dabei gingen sie arbeitsteilig vor: Während einige Fake-Profile auf Dating-Plattformen wie Grindr anlegten und potenzielle Opfer kontaktierten, überfielen andere – maskiert – die Getäuschten an abgelegenen Treffpunkten. Von den drei verhafteten Frauen war nur eine direkt an einem Überfall beteiligt. Die anderen sollen sich auf die digitale Organisation beschränkt haben.

Auch unter den Männern gab es eine klare Aufgabenteilung. Einige übernahmen die Kontaktanbahnung, andere führten die Übergriffe durch, mindestens eine Person filmte die Übergriffe. Die Jungen sollen die Männer an abgelegene Orte gelockt, dort geschlagen, gedemütigt und verhöhnt haben. Unter anderem hätten sie ihren Opfern die Haare abrasiert und sie in Frauenkleidern tanzen lassen, berichtet der Falter in seiner aktuellen Ausgabe.

Ermittlungen begannen in der Steiermark

Unter den Angeklagten befinden sich neben Österreichern auch Personen aus Rumänien, der Slowakei, Kroatien und Deutschland. Mittlerweile gibt es auf rechtsextremen Accounts in Österreich und Rumänien Solidaritätsbekundungen für einzelne Festgenommene.

Die steirische Polizei wurde bereits im Juli 2024 auf den ersten Fall im Süden von Graz aufmerksam. Dort erkannte eine örtliche Dienststelle frühzeitig einen möglichen Zusammenhang mit weiteren Taten. Seither führen die steirischen Behörden die österreichweiten Ermittlungen. Hausdurchsuchungen fanden in allen Bundesländern mit Ausnahme von Kärnten und Vorarlberg statt.

Opfer teilweise zufällig ausgewählt

Mittlerweile gibt es Hinweise, dass einzelne Betroffene heterosexuell waren und ohne konkreten Anlass ins Visier der Täter gerieten. Die Täter behaupteten öffentlich, sie hätten Pädophile „zur Strecke bringen“ wollen – die Polizei stellte jedoch klar, dass es in keinem einzigen Fall einen Zusammenhang mit Pädokriminalität gebe.

LGBTI-Beratungsstellen und Interessenverbände gehen davon aus, dass sich viele Betroffene aus Angst oder Scham nicht bei der Polizei melden. Die Ermittler gehen daher von einer hohen Dunkelziffer aus und rufen Betroffene wiederholt auf, sich zu melden.

Hotline

Betroffene können sich vertraulich beim Landeskriminalamt Steiermark unter der Telefonnummer 059 133/60 3333 melden.

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