HomeReligionChristentumNach Übergriffen auf schwule Männer: Seelsorger fordert klare Haltung der Kirche

Nach Übergriffen auf schwule Männer: Seelsorger fordert klare Haltung der Kirche

Nach mehreren Festnahmen wegen mutmaßlicher Hassverbrechen an überwiegend schwulen und bisexuellen Männern zeigt sich der katholische Seelsorger Gregor Jansen erschüttert. Er ruft die Kirche zu einer deutlich queerfreundlichen Positionierung auf.

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Nach den bundesweiten Razzien gegen eine mutmaßliche Tätergruppe, die überwiegend schwule und bisexuelle Männer mit Fake-Profilen in die Falle gelockt und misshandelt haben soll, äußert sich der katholische Priester Gregor Jansen entsetzt. In einem Gastkommentar in der Wiener Kirchenzeitung Der Sonntag fordert er ein aktives Engagement der Kirche für queere Menschen.

„Viele Menschen sind erschüttert über diese abscheulichen Angriffe auf homosexuelle Menschen, die nicht nur körperlich misshandelt, sondern durch Videoaufnahmen zusätzlich bloßgestellt wurden“, so Jansen. Die Taten seien nicht nur kriminell, sondern auch zutiefst menschenverachtend. Pfarren und kirchliche Einrichtungen müssten sich „klar als queersensibel und diversitätsfreundlich positionieren“, forderte der Seelsorger.

Ermittlungen in sieben Bundesländern

Bei den Razzien wurden 18 junge Verdächtige festgenommen. Insgesamt wurden Hausdurchsuchungen an 26 Orten durchgeführt. Die Beschuldigten, im Alter zwischen 14 und 26 Jahren, stehen unter Verdacht, überwiegend schwule und bisexuelle Männer über soziale Medien kontaktiert, in eine Falle gelockt und anschließend misshandelt zu haben.

Besonders perfide: Die mutmaßlichen Täter sollen ihren Angriffen durch die gezielte Verleumdung der Opfer als „pädophil“ eine vermeintliche Rechtfertigung gegeben haben. Seelsorger Jansen betonte, dass neben homosexuellen Menschen zunehmend auch Transpersonen von solchen Übergriffen betroffen seien.

Kritik an kirchlicher Zurückhaltung

Auch innerhalb der Kirche regt sich Kritik an fehlender Unterstützung für Angehörige sexueller Minderheiten. Pfarrmoderator Johannes Kandler von der Pfarre Breitenfeld in Wien-Josefstadt fordert ein Umdenken.

Er spricht sich in diesem Zusammenhang für mehr Engagement seitens der Kirche aus: „Wir erleben eine gesellschaftliche Entwicklung, in der radikale Gruppen sich zu solchen Taten ermutigt fühlen und zugleich queere Menschen Angst haben, sich offen zu zeigen.“ Die Kirche müsse sich die Frage stellen, ob sie genug tue, um LGBTI-Personen ein sicheres Umfeld zu bieten.

Gregor Jansen erinnerte in seinem Kommentar auch an Papst Franziskus, der sich mehrfach für eine inklusive Kirche ausgesprochen hatte. In einem Interview zum zehnjährigen Jubiläum seines Pontifikats erklärte der Papst: „Ich stelle mir die Kirche als Mutter vor, die alle Menschen aufnimmt und willkommen heißt.“

Safe Spaces in der Kirche gefordert

Die katholische Regenbogenpastoral sieht es als ihren Auftrag, queerfreundliche Räume innerhalb der Kirche zu schaffen und bestehende Konzepte weiterzuentwickeln.

Jansen sieht die Kirche in der Pflicht, diesen Anspruch umzusetzen. Kirchliche Orte müssten sich als „safe spaces“ für queere Menschen begreifen. Dabei verwies er auf das Vorbild Jesu, „der hinausgegangen ist, um Menschen zu begegnen, die am Rande der Gesellschaft lebten“.

Als positives Beispiel hob Jansen das Konzept „a+o | akzeptierend und offen“ des österreichischen Regenbogenpastorals hervor. Diese Plattform ist Teil der Katholischen Aktion Österreich und arbeitet an der Vernetzung und Weiterentwicklung queersensibler Initiativen.

Ziel des Regenbogenpastorals ist es, die Integration queerer Perspektiven in der Kirche auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und theologischer Diskurse voranzutreiben.

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