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Rudolf Brazda: Der letzte Zeitzeuge mit dem Rosa Winkel

Rudolf Brazda war der letzte bekannte homosexuelle Überlebende des Konzentrationslagers Buchenwald. Erst im hohen Alter trat er als Zeitzeuge an die Öffentlichkeit - und wurde zur Symbolfigur für die Erinnerung an die nationalsozialistische Homosexuellenverfolgung.

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Rudolf Brazda wurde am 26. Juni 1913 im thüringischen Brossen bei Zeitz geboren. Seine Eltern kamen aus der Tschechoslowakei. Nach einer Dachdeckerlehre lebte er ab 1933 offen mit seinem Freund Werner zusammen – ein mutiger Schritt in einer Zeit, in der Homosexualität strafrechtlich verfolgt wurde.

Im Jahr 1935 verurteilte ihn ein deutsches Gericht wegen „widernatürlicher Unzucht“ nach § 175 zu sechs Monaten Gefängnis und schob ihn als „vorbestraften Ausländer“ in die Tschechoslowakei ab. Dort fand er Arbeit als Schauspieler und Tänzer, zeitweise auch als Josephine-Baker-Imitator.

Deportation ins Konzentrationslager Buchenwald

Mit dem „Anschluss“ des Sudetenlandes an Nazi-Deutschland im Jahr 1938 geriet Brazda erneut ins Visier der Nationalsozialisten. So wurde er 1941 erneut verhaftet. Ein Jahr später wurde er ohne Gerichtsverfahren in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Dort trug er den Rosa Winkel – das Zeichen, mit dem die Nazis homosexuelle Häftlinge kennzeichneten.

Zunächst musste er im Steinbruch arbeiten. Später halfen ihm politische Mithäftlinge, in ein Baukommando zu kommen. Gegen Kriegsende versteckte ihn ein Kapo im Schweinestall – so entging Brazda den tödlichen Evakuierungsmärschen kurz vor der Befreiung.

Neuanfang in Frankreich

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging Brazda nach Frankreich. In den 1950er Jahren lernte er Edouard „Eddi“ Mayer kennen. Mit ihm baute er ein Haus im elsässischen Bantzenheim, wo sie bis zu Mayers Tod im Jahr 2003 zusammen lebten. Brazda selbst blieb dort bis zu seinem eigenen Tod 2011.

Später Ruhm als Zeitzeuge

Jahrzehntelang hatte Brazda über seine Erlebnisse geschwiegen. Erst 2008 – nach der Einweihung des Berliner Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen – trat er als letzter bekannter Rosa-Winkel-Überlebender an die Öffentlichkeit. Auf Einladung des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), dessen Ehrenmitglied er auch wurde, reiste er nach Berlin, nahm an Gedenkveranstaltungen teil und war Ehrengast der EuroPride 2009 in Zürich.

Sein öffentlicher Auftritt beim Berliner CSD im Jahr 2008 war sein erstes großes Engagement für die Sichtbarkeit homosexueller NS-Opfer. „Sie haben mich nicht vernichtet“, sagte er damals – ein Satz, der vielen im Gedächtnis geblieben ist.

Dokumentation seines Lebens

Der französische Historiker Jean-Luc Schwab veröffentlichte 2010 Brazdas autorisierte Biografie unter dem Titel „Itinéraire d’un Triangle rose“. Er begleitete Brazda auch zu den ehemaligen Haftorten in Deutschland und Tschechien. Die Aussagen des Zeitzeugen sind zudem im Videoarchiv der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas dokumentiert.

Trotz Entschädigungsanträgen in den Jahren 1989 und 1992 erhielt Brazda keine Wiedergutmachung – homosexuelle Opfer wurden im Bundesentschädigungsgesetz nicht berücksichtigt. Sein Engagement und seine Lebensgeschichte haben jedoch wesentlich zur Sichtbarkeit dieser Opfergruppe beigetragen.

Eine Symbolfigur der Erinnerungskultur

Rudolf Brazda verstarb am 3. August 2011 im Alter von 98 Jahren in Bantzenheim. Für sein Engagement war er kurz zuvor mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet worden, der höchsten zivilen Auszeichnung Frankreichs. Seine Geschichte steht exemplarisch für das Leid homosexueller NS-Opfer – und für ihren oft übersehenen Überlebenswillen.

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