HomePolitikEuropaRussischer trans Teenager stirbt in niederländischem Asylzentrum

Russischer trans Teenager stirbt in niederländischem Asylzentrum

Eine 17 Jahre alte trans Russin starb laut Aktivisten nach einer Überdosis. Es ist bereits der sechste Todesfall unter russischen LGBTI-Geflüchteten in den Niederlanden seit 2022.

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Wie die Hilfsorganisation LGBT Asylum Support nun mitgeteilt hat, ist Ende März eine 17-jährige transsexuelle Jugendliche aus Russland in einem niederländischen Asylzentrum gestorben. Der Fall wirft Fragen auf – auch, über die Unterbringung queerer Geflüchteter in den Niederlanden.

Alisa wurde kurz nach ihrer Ankunft Opfer von sexueller Gewalt

Alisa Serova war im Flüchtlingslager Ter Apel untergebracht, obwohl dort laut niederländischem Recht keine minderjährigen Geflüchteten leben dürfen. Sie hatte zuvor in den Niederlanden Asyl beantragt, nachdem sie wegen ihrer Geschlechtsidentität verfolgt worden war.

Aktivist:innen berichten, dass Serova kurz nach ihrer Ankunft in Ter Apel Opfer sexueller Gewalt wurde. Dafür gibt es allerdings keine unabhängige Bestätigung. Später habe sie mit psychischen Problemen und einer Drogenabhängigkeit zu kämpfen gehabt. Ihre Todesursache sei laut ersten Informationen eine Überdosis gewesen.

Umstände des Todes werfen Fragen auf

Am Tag ihres Todes soll Serova laut Zeugenaussagen in einem kritischem Zustand gewesen sein. Ein Mitbewohner erzählte der russischen Nachrichtenplattform Vot Tak, Serova habe kurz zuvor Suizidgedanken geäußert. „Sie war sehr depressiv. Am Tag selbst kaufte sie zehn Packungen von irgendeinem Stoff und nahm alles auf einmal“, so der Zeuge.

Nach der Einnahme habe sie Atemnot bekommen. Nachbarn, darunter Geflüchtete aus arabischen Ländern, hätten daraufhin versucht zu helfen, doch das Lagerpersonal habe zunächst nicht reagiert. Erst nach einer zweiten Überprüfung sei ein Rettungswagen gerufen worden. „Zu diesem Zeitpunkt war sie wahrscheinlich schon tot“, so ein Sprecher von LGBT Asylum Support.

Keine Betreuung, keine Medikamente

Die Organisation LGBT Asylum Support kritisiert schwere Versäumnisse in der Betreuung. Serova sei ohne Zugang zu Hormontherapie oder psychologischer Hilfe gewesen. Außerdem habe sie keinen Kontakt zu ihrer zuständigen Sozialbetreuung im Zentrum für unbegleitete minderjährige Geflüchtete gehabt. Ein anderer Bewohner gab an, dass Serova sprachliche Schwierigkeiten gehabt habe, was ihre Isolation zusätzlich verschärfte.

Die niederländischen Behörden äußerten sich bis jetzt nicht zu den Vorwürfen.
Bereits sechs Todesfälle unter queeren russischen Geflüchteten in den Niederlanden
Nach Angaben von Vot Tak ist Serovas Tod kein Einzelfall. Seit Februar 2022 seien mindestens sechs queere russische Geflüchtete in niederländischen Asylzentren gestorben. Darunter auch Antonina Babkina, eine weitere trans Frau, die in den Niederlanden Schutz gesucht hatte.

Schätzungen zufolge leben derzeit rund 700 russische Asylsuchende in Flüchtlingslagern in den Niederlanden. Menschenrechtsorganisationen fordern nun eine umfassende Untersuchung der Zustände in Ter Apel und anderen Einrichtungen.

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