HomeMagazinFilmtipp„Call Me Agnes“: Das Leben einer trans Frau zwischen zwei Welten

„Call Me Agnes“: Das Leben einer trans Frau zwischen zwei Welten

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Agnes Geneva lebt als trans Frau in den Niederlanden. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Rini betreibt sie ein kleines Restaurant im eigenen Haus. Ihr Alltag wirkt ruhig, fast unscheinbar. Badminton, Kochen, Gespräche – ein Leben in Sicherheit. Doch der Schein trügt, als ihr jüngerer Bruder Indra aus Timor anreist. Er sucht seinen Bruder Hans – nicht wissend, dass der Hans von damals heute Agnes ist.

„Call Me Agnes“, ein Film von Daniel Donato, zeigt diese Konfrontation mit der Vergangenheit. Doch statt linearer Erzählung oder klassischem Drama wählt Donato einen hybriden Stil. Dokumentarische Szenen wechseln sich mit fiktionalen Passagen und Musicaleinlagen ab. Das Resultat: ein intimes, vielschichtiges Porträt.

Zwischen Realität und Erinnerung

Donato setzt eine bewegliche Kamera ein, die Nähe zulässt und gleichzeitig Distanz wahrt. Immer wieder fragt man sich als Zuschauer: Ist das noch dokumentarisch oder bereits inszeniert? Diese Unklarheit ist gewollt – sie spiegelt Agnes’ innere Zerrissenheit und die komplexe Natur von Identität wider.

Agnes spielt sich selbst. Ihre zurückhaltende Präsenz, besonders in den Musiksequenzen, berührt. Wenn sie singt, öffnet sie Fenster zu ihrer Gefühlswelt: Unsicherheit, Stolz, Wut und Hoffnung fließen ineinander. Die Songs sind keine Showeinlagen, sondern emotionale Verdichtungen.

Familiäre Spannungen und kulturelle Brüche

Im Zentrum des Films steht die Beziehung zu ihrem Bruder Indra. Seine Suche nach dem „verschwundenen“ Hans konfrontiert Agnes mit ihrer Vergangenheit – und den Erwartungen einer konservativen Familie. Der Film zeigt diese Begegnungen ohne Sentimentalität. Kein Happy End, keine dramatische Enthüllung, sondern tastende Annäherungen in einem emotionalen Niemandsland.

„Ich wollte keine Geschichte über Akzeptanz erzählen, sondern über die Unsicherheit dazwischen“, erklärt Regisseur Donato. Dieser Ansatz zieht sich durch den gesamten Film. Die Konflikte bleiben offen, viele Fragen unbeantwortet. Doch genau das verleiht dem Film Tiefe.

Experiment mit Ecken und Kanten

Die Form des Films ist mutig: Zwischen dokumentarischem Realismus, fiktionalen Szenen und Musicaleinlagen entsteht ein spannungsreicher Mix. Doch diese Vielfalt bringt auch Herausforderungen. Nicht alle Übergänge sind stimmig, manche Szenen wirken überstilisiert oder konstruiert. Trotzdem trägt die Hybridform dazu bei, Agnes’ Welt erfahrbar zu machen – in ihrer Brüchigkeit und Schönheit.

Die Kamera bleibt dabei immer auf Augenhöhe. Sie beobachtet, statt zu bewerten. Und sie lässt Agnes selbst sprechen, was dem Film Authentizität verleiht.

Sichtbarkeit ohne Pathos

„Call Me Agnes“ ist ein leiser Film, der dennoch kraftvoll wirkt. Er gibt einer trans Frau Raum, ihre Geschichte selbst zu erzählen – ohne Klischees, ohne dramatische Überhöhung. Der Film feiert Selbstermächtigung nicht als Triumph, sondern als alltäglichen, manchmal schmerzhaften Prozess.

Mit seiner poetischen Sprache, der experimentellen Form und der starken Hauptfigur gelingt Donato ein wichtiger Beitrag zum queeren Kino – fern von plakativer Repräsentation, aber mit viel Feingefühl.

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Call me Agnes
Niederlande 2024 | Biopic/Dokudrama | OmU | 94 Minuten
Regie: Daniel Donato | Besetzung: Agnes Geneva, Fernando Belfiore, Gianluca Koeswanto, Mak Rini

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