Mit seinem neuen Roman „Felix Austria“, erschienen im Czernin Verlag, wirft Christopher Wurmdobler einen vielschichtigen Blick auf queere Identitätsfindung im sogenannten langen 20. Jahrhundert. Der Autor bewegt sich dabei zwischen dem repressiven Klima der Wiener Nachkriegszeit und der grellen Ästhetik kalifornischer Camp-Kultur.
Die Wege der Figuren werden sehr genau nachgezeichnet
In diesem Spannungsfeld entfaltet sich eine Erzählung über heimliche Beziehungen, gesellschaftliche Zwänge und spätes Glück. Wurmdoblers Figuren bewegen sich dabei durch mehrere Jahrzehnte und gesellschaftliche Schichten.
Christoph Wurmdobler zeichnet ihre Wege mit viel Sympathie nach – und zeigt, wie sich private Sehnsüchte und politische Realitäten gegenseitig beeinflussen. „Es geht mir um das Politische in der Liebe“, betont der Autor im Vorfeld der Veröffentlichung. „Und darum, wie das Erzählen selbst zur Form des Widerstands wird.“
Liebe, Scham und Wahrheit im Wandel der Zeit
In „Felix Austria“ steht nicht nur das persönliche Erleben queerer Figuren im Mittelpunkt, sondern auch ihre Einbindung in historische Umbrüche. Dabei verknüpft Wurmdobler geschickt private Lebensgeschichten mit gesellschaftlichen Entwicklungen. Der Roman zeigt, wie Figuren mit ihrer sexuellen Identität ringen – oft im Verborgenen, manchmal gegen alle Widerstände.
Überraschende Wendungen und unerhörte Begebenheiten durchziehen die Erzählung. Sie verleihen dem Buch eine Dynamik, die klassische Coming-out-Geschichten hinter sich lässt. Der Stil des Autors bleibt dabei zugänglich, zugleich tiefgründig. Sprachlich bewegt sich Wurmdobler zwischen Ironie und Ernst, Leichtigkeit und Melancholie.
Vielstimmigkeit und Empathie
Besonders bemerkenswert ist dabei Wurmdoblers Fähigkeit, seine Charaktere mit echter Wärme zu zeichnen. „Er kann über Menschen schreiben, weil er sie mag“, meint Sebastian Fasthuber vom Falter. Diese Empathie prägt die Darstellung der Figuren – sie sind widersprüchlich, suchend, verletzlich und zugleich voller Lebenswillen.
Der Roman setzt auf Vielstimmigkeit: Verschiedene Perspektiven und Zeitachsen eröffnen ein breites Panorama queerer Erfahrungen. Leserinnen und Leser begleiten die Figuren durch Umbrüche, Hoffnungen und Enttäuschungen. Der Roman erzählt dabei nicht linear, sondern entwickelt seine Spannung über das Zusammenspiel einzelner Episoden.
Felix Austria ist somit nicht nur ein literarischer Rückblick auf queeres Leben im 20. Jahrhundert, sondern auch ein vielstimmiges Plädoyer für Mut, Offenheit und Selbstbestimmung.


