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Thomas Brezina überrascht mit queerer Liebesgeschichte

Mit „Liebe ist niemals normal“ wagt sich der Erfolgsautor erstmals auf das Terrain der queeren Erwachsenenliteratur – mit viel Herz, Humor und persönlicher Note.

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Thomas Brezina, bekannt als Schöpfer von Kinderbuchklassikern wie „Tom Turbo“ und „Die Knickerbocker-Bande“, zeigt sich mit seinem neuen Roman von einer ganz anderen Seite. „Liebe ist niemals normal“ ist seine erste queere Liebesgeschichte – eine Geschichte über Selbstakzeptanz, Beziehungssuche und den Wunsch, gesehen zu werden.

Im Mittelpunkt steht Julian, ein 21-jähriger BWL-Student in Wien, der vor einem emotionalen Kraftakt steht: Zu seinem 22. Geburtstag möchte er endlich seiner konservativen Familie einen festen Partner vorstellen. Doch diesen gibt es nicht. Was folgt, ist eine Reise durch die Höhen und Tiefen der Datingwelt – unterstützt von Freunden, geplagt von Zweifeln und immer auf der Suche nach echter Nähe.

Datingchaos trifft WG-Leben

Julian wohnt in einer bunt zusammengewürfelten Wohngemeinschaft. Seine beste Freundin Antonia lebt polyamor, ist laut, feministisch und voller guter Ratschläge. Dazu kommt der mysteriöse neue Mitbewohner Erik, der sich wortkarg gibt, aber zunehmend Julians Gedanken beherrscht.

Auf der Suche nach einem geeigneten Begleiter fürs Familienessen stürzt sich Julian auf Dating-Apps – mit mäßigem Erfolg. Zwischen peinlichen Begegnungen, unerwarteten Nachrichten und emotionaler Verwirrung beginnt ein Prozess der Selbstfindung.

In einem Interview mit oe24 erklärt Brezina: „Es ist die Geschichte von Julian. Er ist queer und kämpft mit der eigenen Akzeptanz und der Anerkennung durch seine Familie.“ Und weiter: „Viele junge Menschen erzählen mir von den Schwierigkeiten, die ihnen begegnen, wenn sie feststellen, dass sie ‚anders‘ sind. Ausgrenzung, Spott und Missachtung erleben sie leider noch immer.“

Ehrlich, direkt und voller Herz

Der Roman lebt von seiner Mischung aus Humor und Tiefgang. Zwar sind manche Situationen überzeichnet, doch Brezina schafft es, Klischees zu vermeiden. Er zeigt queere Lebensrealitäten, ohne zu moralisieren oder zu bewerten. Beziehungen in all ihren Formen – monogam, polyamor, unklar – bekommen Raum, ohne dass ein Modell als das „richtige“ dargestellt wird.

Gegenüber dem Standard erklärt Brezina über die Gründe für das Buch: „Ich wollte einen Roman schreiben, der mit Humor und Gefühl Mut und Kraft gibt.“ Und auf die Frage, warum er erst jetzt einen queeren Roman veröffentlicht, antwortet er: „Jede Geschichte hat einen bestimmten Zeitpunkt, zu der sie aus meinem Kopf will.“

Persönlich und politisch zugleich

Obwohl Brezina die Geschichte als Fiktion anlegt, schwingen viele autobiografische Töne mit. Der Autor lebt seit vielen Jahren mit seinem Ehemann Ivo zusammen, den er über eine Dating-App kennenlernte. In Interviews spricht er offen über sein Coming-out und den Umgang seiner Familie damit. „Ich wollte nie Verständnis, sondern selbstverständliche Akzeptanz“, so Brezina. „Wer mich nicht wollte, wie ich war, hatte keinen Platz in meinem Leben. Da war ich sehr klar.“

Auch Julian kämpft im Roman mit den Reaktionen seiner Eltern. Seine Mutter vermutet längst einen geheimen Freund, sein Vater bleibt distanziert. Der Druck, Erwartungen zu erfüllen, lastet schwer auf ihm. Doch Brezina betont: „Damit du von anderen akzeptiert wirst, akzeptiere dich selbst.“

Queeres Erzählen mit Augenzwinkern

Trotz der ernsten Themen bleibt „Liebe ist niemals normal“ leichtfüßig. Brezina streut immer wieder ironische Kommentare und popkulturelle Seitenhiebe ein. Ob Nickelback, Millionenshow-Parodien oder Klosterfantasien nach einem peinlichen Date – solche Details machen den Roman lebendig und nahbar. Auch die Hassliebe zu Dating-Apps wie Grindr wird thematisiert.

Für die Recherche holte sich Brezina Unterstützung aus der Community. In einem Aufruf auf Instagram bat er seine Follower, ihre Erfahrungen mit Dating-Apps zu teilen. „Eine Flut an Nachrichten aus allen Altersgruppen kam“, so der Autor. „Einige davon habe ich ins Buch eingebaut.“

Kein Tabubruch, sondern Entwicklung

Dass ein Kinderbuchautor nun Inhalte für Erwachsene schreibt, sorgt bei manchen für Verwunderung. Brezina begegnet dem gelassen: „Eine solche Erwartung könnte man nur als Klischee oder Vorurteil bezeichnen, und beides hat meine Leserschaft sicherlich nicht.“

Auch in der Darstellung von Sexualität bleibt der Roman offen, aber respektvoll. Der Körper ist kein Tabu, aber auch kein Spektakel. Brezina gelingt es, Nähe zu schildern, ohne sie zu verklären – und ohne Scham.

Die Botschaft ist klar: Liebe ist nicht immer einfach, aber sie darf sein, wie sie ist. Oder wie Brezina es formuliert: „Liebe ist dann ‚normal‘, wenn sie ehrlich und herzlich ist.“

Buchtipp
Thomas Brezina
Liebe ist niemals normal
Roman | 244 Seiten | Edition A
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