Vor dem Landgericht Weiden in der Oberpfalz läuft derzeit ein Strafprozess wegen Vergewaltigung. Der Angeklagte, ein 41 Jahre alter Mann, hat am Dienstag über seinen Verteidiger ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er gab zu, seinem damaligen Sexualpartner, einem heute 21-jährigen Transmann, heimlich Poppers in das Getränk gemischt zu haben.
„Er wollte ein angeregteres Sexualerlebnis“, erklärte Verteidiger Jürgen Lubojanski das Motiv seines Mandanten vor Gericht. Der Vorfall ereignete sich bereits im Sommer 2022, als der Geschädigte 19 Jahre alt war. Die beiden hatten zuvor bereits eine lose sexuelle Beziehung geführt.
Opfer verzichtet auf belastende Aussage
Nach dem Geständnis signalisierte das Gericht die Bereitschaft zu einer Bewährungsstrafe zwischen eineinhalb und zwei Jahren. Voraussetzung: ein Schuldeingeständnis, eine persönliche Entschuldigung und ein Schmerzensgeld von insgesamt 2.000 Euro.
Das Opfer, das in Begleitung einer Psychologin erschien, nahm die Entschuldigung an. Es blieb ihm damit eine persönliche Aussage vor Gericht erspart. Laut Nebenklagevertreterin Claudia Enghofer sei der junge Mann besonders verletzlich gewesen. Zum Tatzeitpunkt befand er sich mitten in der medizinischen Geschlechtsangleichung. Heute lebt er in Oberbayern und leidet unter psychischen Folgen. „Ihm geht es vor allem darum, als Opfer anerkannt zu werden“, sagte Enghofer.
Poppers im Prosecco löste Kontrollverlust aus
Laut Anklage kam es in der Wohnung des Angeklagten zur Tat. Dort hatte der Mann dem 19-Jährigen eine Prosecco-Dose angeboten, in die er einen Schuss der Poppers-Marke „Amsterdam Revolution“ gemischt hatte – eine Substanz, die normalerweise inhaliert wird.
Nach ein bis zwei Schlucken wurde dem jungen Mann schwindelig. Er verlor laut seiner späteren Aussage die Kontrolle über seinen Körper. Die Staatsanwältin sprach von Muskelstarre. In diesem Zustand sei es zur Vergewaltigung gekommen. Dem Angeklagten sei bewusst gewesen, dass sein Partner nicht einwilligte.
Opfer sichert Beweismittel
Nachdem die Wirkung der Droge nachließ, verließ das Opfer die Wohnung und verständigte die Polizei. Die geöffnete Prosecco-Dose sowie das Fläschchen Poppers nahm er mit. Eine spätere Blutuntersuchung ergab Rückstände von Alkylnitriten.
Anfang nächster Woche will das Gericht noch mehrere Zeugen befragen, darunter den ermittelnden Polizeibeamten. Mit einem Urteil wird am Mittwoch gerechnet.

