Ein geplanter Anschlag auf das Konzert von US-Popstar Lady Gaga in Rio de Janeiro dürfte sich gezielt gegen queere Menschen gerichtet haben. Das bestätigte die Zivilpolizei des Bundesstaates am Sonntag. Zwei Verdächtige wurden festgenommen, ein dritter Mann wurde wegen Terrorismus angeklagt – er soll geplant haben, während der Show ein Kind im Rahmen eines angeblichen „satanistischen Rituals“ zu töten.
Hassgruppe hatte gezielt LGBTQ+-Personen im Visier
Nach Angaben der Ermittlungsbehörden wollten die Tatverdächtigen bei dem kostenlosen Konzert an der Copacabana insbesondere Mitglieder der LGBTI-Community und Jugendliche angreifen. Die Polizei spricht von einer extremistischen Online-Hassgruppe, die sich zum Ziel gesetzt hatte, queere Menschen gezielt zu verletzen oder zu töten. Auch Kinder und Jugendliche sollten Opfer der geplanten Attacke werden. Die Täter wollten damit Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken erzeugen.
„Die Planung war auf maximale Sichtbarkeit und Schockwirkung ausgelegt – mit queeren Menschen als erklärtem Hauptziel“, sagte Polizeikommissarin Maria Luiza Machado. Die Gruppe habe systematisch versucht, junge Menschen, darunter auch Minderjährige, für koordinierte Angriffe mit Sprengsätzen und Molotowcocktails zu rekrutieren.
Queerfeindliche Gewalt als Antrieb
Die Ermittlungen ergaben, dass sich die Gruppe über Online-Kanäle radikalisiert hatte und regelmäßig queerfeindliche, rassistische und gewaltverherrlichende Inhalte verbreitete. Die Täter gaben sich als Fans von Lady Gaga aus und nutzten diese Tarnung, um gezielt queere Menschen online anzusprechen und für den Anschlag zu gewinnen.
Die Polizei benannte die Operation zur Verhinderung des Anschlags deshalb als „Operation Fake Monster“. Dabei wurden 15 Durchsuchungsbeschlüsse in vier Bundesstaaten Brasiliens ausgeführt. Bei den Einsätzen stellten die Beamten elektronische Geräte und andere Beweismittel sicher.
Dritter Verdächtiger plante Mord an Kind während des Konzerts
Ein dritter Mann wurde bei den Razzien festgenommen, weil er laut Polizei plante, während des Konzerts ein Kind oder Baby zu töten. Er begründete dies damit, dass Lady Gaga eine „Satanistin“ sei, und er „auf gleiche Weise reagieren“ wolle. Die Ermittler werfen ihm terroristische Straftaten und Anstiftung zu Verbrechen vor.
Spezialermittler betonten, dass alle Einsätze bewusst diskret durchgeführt wurden, um keine Panik bei den rund 2,1 Millionen Konzertbesucher:innen auszulösen. Auch die Sängerin selbst war vor und während der Show nicht über eine Bedrohungslage informiert worden. „Wir erfuhren erst am Morgen danach von den Vorfällen“, erklärte ein Sprecher von Lady Gaga.
Gaga-Auftritt wird zum Zeichen queerer Sichtbarkeit
Lady Gaga gilt seit Jahren als engagierte Fürsprecherin der LGBTI-Community. Erst kürzlich sagte sie in einer Rede: „Menschen, die voller Hass und Ignoranz sind, sollten zur queeren Community aufblicken – und von ihr lernen, was Liebe, Anstand und Freundlichkeit bedeutet.“
Ihr Konzert in Rio war das erste seit 2012 in Brasilien – und wurde mit über zwei Millionen Besucher:innen das größte ihrer Karriere. In einem Instagram-Post bedankte sie sich für die Begeisterung ihrer Fans: „Die Energie, die ihr mir gegeben habt, war überwältigend. Ich bin so dankbar, dass ich diesen Moment mit euch teilen durfte.“
Für viele queere Fans war das Konzert mehr als nur ein Musik-Event. „Dass die Angreifer gezielt queere Menschen treffen wollten, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack“, sagte Zuschauer Dani Morera Trettin dem Sender CNN : „Aber Gaga hat mit ihrer Show ein starkes Zeichen für queere Freude gesetzt – in einer Welt, die immer konservativer wird.“
Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Todo Mundo no Rio“, mit der die Stadt internationale Stars an den Strand der Copacabana holt. Bereits im vergangenen Jahr hatte Madonna dort ein Gratiskonzert gespielt – damals kamen rund 1,6 Millionen Menschen.

