Bevor Billy Idol mit „Dancing with Myself“ durchstartete, stand er auf kleinen Bühnen in englischen Schwulenclubs – wo in den 1970er-Jahren Punk eine Heimat fand. In einem Interview im Podcast „Turned Out A Punk“ sprach der britische Musiker offen über die Rolle der Schwulenszene in den Anfangstagen seiner Karriere.
Eine Gemeinschaft von Außenseitern im England der 70er
„Viele der Clubs, in denen Punk-Konzerte stattfanden, waren in Wirklichkeit schwule Clubs“, sagte Idol. „Wir haben sogar eine Tour gemacht – die White Wedding Tour – und spielten in lauter kleinen Läden, die am Dienstagabend einfach zu Punk-Clubs wurden.“ Die Atmosphäre beschrieb er als offen und unterstützend: „Es war sehr einladend. Da waren Menschen, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht zugehörig fühlten.“
Idol erinnerte sich an die politische Stimmung im England der 70er-Jahre. „Uns wurde gesagt: Ihr habt keine Zukunft. Das war ernst gemeint“, so der Musiker. In diesem Klima fanden sich Außenseiter zusammen – ob aus politischen, persönlichen oder geschlechtlichen Gründen. Gemeinsam bildeten sie eine rebellische Gegenkultur.
Diese Solidarität war nicht auf Punk beschränkt. Auch queere Musiker:innen wie Jayne County spielten eine entscheidende Rolle im frühen Punk-Umfeld. Podcast-Host Damian Abraham betonte, wie stark die queere Szene zur Entstehung der Bewegung beigetragen habe. Idol stimmte zu: „Das waren Menschen, die sich nicht gesehen fühlten – genau wie wir.“
Ein Blick auf New York in den 80er-Jahren
Dass Billy Idol diese Verbundenheit mit der LGBTI-Community nicht verloren hat, zeigt ein Ausschnitt aus seiner Autobiografie „Dancing with Myself“. Darin beschreibt er einen stille Aids-Gedenkmarsch in New York: „Zehntausend Männer marschieren in einem Kerzenlichtzug durch die Stadt. Eine ganze Lebensweise scheint vom Aussterben bedroht“, schrieb Idol.
In dem Buch schildert er auch die Vielfalt innerhalb der Punk-Szene: „Wir kannten viele Menschen, die mit ihrer Sexualität oder ihrer Geschlechtsidentität experimentierten. Das war damals schon Realität.“
Welchen Einfluss David Bowie auf Billy Idol hatte
Nach dem Tod von David Bowie 2016 äußerte sich Billy Idol ebenfalls und nannte Bowies „kompromisslose Haltung gegen konservative Denkweisen“ als wegweisend für Punk und für die Rechte der queeren Community. Der Einfluss Bowies auf die Musik- und Gesellschaftsszene sei, laut Idol, nicht zu unterschätzen.
Billy Idol, geboren am 30. November 1955 im englischen Middlesex, wurde zunächst als Sänger der Punkband „Generation X“ bekannt. In den 1980er-Jahren startete er eine erfolgreiche Solokarriere mit Hits wie „White Wedding“ und „Rebel Yell“. Sein markanter Stil und seine Bühnenpräsenz machten ihn zu einer Ikone des MTV-Zeitalters.
Nach einem Motorradunfall 1990 und einer ruhigeren Phase in den 90ern meldete sich Idol mit dem Album Devil’s Playground (2005) zurück. 2014 erschien seine Autobiografie „Dancing with Myself“. In den letzten Jahren veröffentlichte er neue Musik mit den EPs „The Roadside“ (2021) und „The Cage“ (2022), trat bei Festivals auf und erhielt 2023 einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.

