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Rainbow Map 2025: Österreich verbessert sich leicht, bleibt aber hinter Deutschland

Die neue Rainbow Map der ILGA-Europe zeigt Österreich mit leichten Fortschritten auf Platz 16. Deutschland hingegen steigt erstmals in die Top 8 auf. Beide Länder sehen sich mit konkreten politischen Aufgaben konfrontiert.

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Die jährliche Rainbow Map der LGBTI-Dachorganisation ILGA-Europe zeigt klar: In 49 europäischen Ländern gibt es noch Nachholbedarf bei der rechtlichen und politischen Gleichstellung sexueller Minderheiten. Österreich erreichte dieses Jahr starke 54 Prozent der möglichen Punkte – ein klarer Anstieg gegenüber den 49,6 Prozent im Jahr 2024. Im Ranking bedeutet das Platz 16. Damit liegt die Republik weiterhin hinter Staaten wie Irland, Deutschland oder Spanien.

„Nach dem Stillstand der letzten Jahre hat sich die neue Bundesregierung ein breites Programm zur Stärkung der Vielfalt und Menschenrechte auferlegt – genau das werden wir jetzt Stück für Stück umsetzen“, erklärte dazu Mario Lindner, Gleichbehandlungssprecher der SPÖ und Vorsitzender der queeren Parteiorganisation SoHo.

Kritik an mangelhaften Schutzmechanismen

Besonders kritisch bewertet ILGA-Europe die österreichischen Regelungen in den Bereichen Schutz vor Hassverbrechen, Diskriminierung und Rechte von intergeschlechtlichen Menschen. In diesen Bereichen schneidet Österreich besonders schlecht ab. Zudem fehlen umfassende gesetzliche Schutzmaßnahmen für queere Geflüchtete.

„Die Rainbow Map 2025 zeigt deutlich, wo wir in Österreich noch aufholen müssen“, sagte Lindner. Er verweist auf den kürzlich beschlossenen Nationalen Aktionsplan gegen Hasskriminalität. Dieser müsse nun konsequent umgesetzt werden, um in Zukunft besser abzuschneiden. „Niemand soll in unserem Land Angst haben müssen, wegen der eigenen Identität Opfer eines Angriffs zu werden“, betonte der SPÖ-Politiker.

Deutschland unter den besten acht in Europa

Deutlich besser positioniert ist Deutschland. Mit 69,10 Prozent erreicht die Bundesrepublik Platz 8 – im Vorjahr lag sie noch auf Platz 11 mit 66,13 Prozent. Den Ausschlag für den Aufstieg gab vor allem die Einführung des Selbstbestimmungsgesetzes, das das alte Transsexuellengesetz ablöst.

Philipp Braun vom LSVD+ (Verband Queere Vielfalt) erklärte: „Dass Deutschland nun unter den Top 8 ist, zeigt, wie wichtig der Schritt zur Selbstbestimmung war. Jetzt muss die angekündigte Evaluation des Gesetzes gemeinsam mit der Community erfolgen.“

Forderungen nach weiteren Reformen

ILGA-Europe fordert Deutschland auf, die rechtliche Gleichstellung weiter auszubauen. Konkret genannt werden eine Ergänzung des Grundgesetzes (Artikel 3) um sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität und -merkmale, eine umfassende Reform des Abstammungsrechts sowie ein allumfassendes Asylgesetz für queere Menschen.

Sven Lehmann, der ehemalige Queerbeauftragte der Bundesregierung, sieht die Entwicklung mit gemischten Gefühlen: „Die internationalen Rückschritte zeigen, dass Gleichstellung keine Selbstverständlichkeit ist. Wir müssen entschlossen gegen Diskriminierung vorgehen – auch in Deutschland, wo täglich mindestens sechs queerfeindliche Übergriffe gemeldet werden.“

Europaweit große Unterschiede – Rückschritte im Vereinigten Königreich

Angeführt wird die Rainbow Map erneut von Malta, gefolgt von Belgien, Island, Dänemark und Spanien. Die größten Rückschritte verzeichnen Großbritannien mit einem Rückgang von Platz 16 auf 22, Ungarn und Georgien. In diesen Ländern wurden in den vergangenen Monaten Gesetze verabschiedet, die queere Rechte stark einschränken.

ILGA-Europe-Direktorin Katrin Hugendubel warnt vor einer europaweiten Gegenbewegung: „Was wir sehen, ist ein koordinierter Angriff auf LGBTI-Rechte – als vermeintlicher Schutz von Tradition verkauft, in Wahrheit aber ein Versuch, Diskriminierung zu legitimieren und abweichende Lebensrealitäten zu unterdrücken.“

Schweiz stagniert – Potenzial bleibt ungenutzt

Die Schweiz bleibt wie schon 2024 im unteren Mittelfeld der Rangliste. ILGA-Europe gibt der Eidgenossenschaft rund 47 Prozent – vor allem beim Schutz von intergeschlechtlichen Menschen, beim Verbot von Konversionstherapien und bei Rechten von queeren Geflüchteten sieht die Organisation Verbesserungsbedarf.

Auch in der Schweiz sehen Aktivist:innen die politischen Entscheidungsträger in der Pflicht, bestehende Lücken zu schließen und bestehende Schutzstandards auszubauen. Die Rainbow Map 2025 macht deutlich: Der Weg zur vollständigen Gleichstellung ist in vielen Teilen Europas noch lang.

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