Im Jahr 2024 sind in Bayern deutlich mehr queerfeindliche Vorfälle dokumentiert worden als in den Vorjahren. Das geht aus der Jahresstatistik der LGBTIQ*-Fachstelle Strong hervor. Demnach wurden im vergangenen Jahr 289 Fälle gemeldet – ein Anstieg um 59 gegenüber 2023 und insgesamt 130 mehr als noch vor zwei Jahren.
Die Vorfälle reichten von Alltagsdiskriminierung über Beleidigungen und Bedrohungen bis hin zu sexueller Belästigung und schwerer Körperverletzung. Besonders häufig betroffen seien trans und inter Menschen. Identitätsbezogene Diskriminierung und gezielte Trans- und Inter-Feindlichkeit gehörten laut Strong zu den am häufigsten genannten Tatmotiven.
Polizei rechnet mit hoher Dunkelziffer
Die Zahlen von Strong spiegeln nur einen Teil des Problems wider. „Unsere Statistik ist nicht repräsentativ“, betont Annina E., Beraterin bei der Fachstelle. Denn man müsse von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. Viele Betroffene würden die Übergriffe nicht melden – aus Angst, Resignation oder Misstrauen gegenüber den Behörden.
„Die Betroffenen scheuen den Aufwand oder glauben, es bringe sowieso nichts“, so Annina E. Immer wieder werde deutlich, dass das Vertrauen in Polizei und Justiz fehle. Strong fordert in diesem Zusammenhang einen Ausbau der bestehenden Kooperationen.
Proaktive Beratungsangebote und neue Meldestellen
Bereits 2023 hat Strong gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Mittelfranken und mit Unterstützung des bayerischen Innen- und Sozialministeriums einen proaktiven Beratungsansatz entwickelt. Meldet jemand eine queerfeindliche Straftat, verweist die Polizei aktiv auf das Beratungsangebot von Strong.
Dieser Ansatz wurde nach einer Pilotphase auf die Oberpfalz und München ausgeweitet. Weitere Regionen sollen folgen. Zusätzlich betreibt die Fachstelle seit 2023 eine Meldestelle für Hate Speech, die bayernweit einzigartig für die Community ist. Dort können Betroffene und Zeug:innen Fälle von Hassrede melden. Strong unterstützt bei der Dokumentation und leitet gegebenenfalls Schritte zur strafrechtlichen Verfolgung ein.
Aktionsplan Queer gefordert
Angesichts der steigenden Zahlen fordert Strong mehr politische Unterstützung. Dr. Kai Kundrath, Geschäftsführer des schwul-queeren Zentrums Sub, betonte auf der Pressekonferenz: „Der Freistaat muss seiner Pflicht nachkommen, alle – auch queere Menschen – vor Diskriminierung und Gewalt zu schützen.“
Derzeit erarbeitet die bayerische Staatsregierung einen „Aktionsplan Queer“: Das Sozialministerium erhielt 2023 den Auftrag, in Zusammenarbeit mit der Community geeignete Maßnahmen gegen Diskriminierung, Hassrede und Gewalt zu entwickeln. Die Fachstelle Strong fordert, diesen Plan nun zügig fertigzustellen und umzusetzen.

