Papst Leo XIV. hat in einer Rede vor internationalen Diplomat:innen am Heiligen Stuhl betont, dass seine Vorstellung von Familie ausschließlich die Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau umfasst. „Investitionen in Familien fördern harmonische und friedliche Zivilgesellschaften“, erklärte der neue Papst am Freitag. Dabei präzisierte er: Familie sei „die stabile Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau“.
Es ist das erste Mal seit seiner Wahl, dass sich der 69-jährige Papst öffentlich zu Fragen rund um Homosexualität und gleichgeschlechtliche Partnerschaften äußert. Seine Worte markieren eine klare Rückkehr zu konservativen Werten innerhalb der katholischen Kirche.
Frühere Äußerungen zeigen konservative Haltung
Bereits 2012 hatte Leo XIV., damals noch Generalprior des Augustinerordens, Kritik an westlichen Medien geübt, die seiner Ansicht nach „Sympathie für Glaubenssätze und Praktiken zeigen, die im Widerspruch zum Evangelium stehen“. Dabei nannte er ausdrücklich den „homosexuellen Lebensstil“ und „alternative Familien mit gleichgeschlechtlichen Partnern und ihren Adoptivkindern“.
Als Bischof von Chiclayo in Peru hatte er sich auch gegen geschlechtergerechte Schulaufklärung ausgesprochen. „Die Förderung der Gender-Ideologie ist verwirrend“, sagte er damals lokalen Medien. Diese Ideologie versuche, „Geschlechter zu schaffen, die es nicht gibt“.
Spannungen zwischen Reformen und Rückschritten
Unter Leo XIV.s Vorgänger Franziskus hatte die Kirche 2023 das Segnungsverbot für gleichgeschlechtliche Paare gelockert. Zwar betonte Franziskus, dass bei diesen Segnungen die Menschen gesegnet würden, nicht jedoch ihre Partnerschaften, die nach katholischer Lehre weiterhin als Sünde gelten. Leo XIV. hat sich zu diesem Punkt bisher nicht geäußert.
Der neue Papst – mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost – stammt aus Chicago und besitzt neben der US-amerikanischen auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Er wurde am 8. Mai von über 130 Kardinälen zum 267. Papst gewählt. In seiner Antrittsrede zeigte er sich demütig: „Ich komme mit Furcht und Zittern zu euch als ein Bruder, der sich zum Diener eures Glaubens machen will.“
Reaktionen zwischen Erwartung und Enttäuschung
Die Wahl des ersten US-amerikanischen Papstes rief weltweit unterschiedliche Reaktionen hervor. US-Präsident Donald Trump lobte Leo XIV. in seinem sozialen Netzwerk Truth Social als „große Ehre für die USA“. Trump selbst hatte einen anderen Kandidaten bevorzugt: den ultrakonservativen Kardinal Raymond Burke.
In Deutschland wurden hingegen sofort Erwartungen formuliert. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) fordert weitreichende Reformen. „96 Prozent der Katholikinnen und Katholiken erwarten von ihrer Kirche dringend Reformen“, sagte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Forderungen nach Vielfalt und Gleichberechtigung
„Viele wünschen sich, dass ihre Kirche die Vielfalt des Lebens anerkennt“, erklärte Stetter-Karp. Dabei geht es nicht nur um den Umgang mit Homosexualität, sondern auch um die Rolle von Frauen, den Pflichtzölibat und den Zugang zu kirchlichen Machtstrukturen. „Strukturell geht es um die Überwindung des Klerikalismus. Wir fordern Teilhabe, Rechenschaft und Transparenz.“
Wie Papst Leo XIV. mit diesen Erwartungen umgehen wird, bleibt abzuwarten. Bisher deutet seine Linie auf eine Rückbesinnung auf traditionelle Lehren hin. Eine Antwort auf die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare unter seinem Pontifikat steht noch aus.

