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Mehr als eine Million Unterschriften gegen „Konversionstherapien“ in der EU

Bürgerinitiative erreicht entscheidende Schwelle – EU-Kommission muss jetzt reagieren

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Eine europäische Bürgerinitiative für ein Verbot von „Konversionstherapien“ hat über eine Million Unterstützer:innen gefunden. Damit ist die nötige Schwelle erreicht, um eine offizielle Reaktion der EU-Kommission zu erzwingen. Die Petition fordert ein EU-weites Verbot der schädlichen Praktiken, die sich gegen LGBTI-Personen richten und deren sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität verändern sollen.

Prominente Unterstützung aus Politik und Kultur

Die Kampagne wurde maßgeblich von der französischen Organisation ACT (Against Conversion Therapy) vorangetrieben, die erst 2023 gegründet wurde. Initiator ist der 21-jährige Student und Aktivist Mattéo Garguilo. Unterstützung erhielt die Initiative unter anderem von der belgischen Popsängerin Angèle, dem Musiker Pierre de Maere und dem ehemaligen französischen Premierminister Gabriel Attal.

„Konversionstherapien müssen europaweit verboten werden“, sagte Angèle in einem Statement. Zahlreiche weitere Künstler:innen, Influencer:innen und Politiker:innen mobilisierten ihre Reichweiten, um auf die Petition aufmerksam zu machen. Auch die deutsche Bundestagsabgeordnete Nyke Slawik von den Grünen rief zur Beteiligung auf.

Acht EU-Staaten haben bereits ein Verbot

Dem europäischen LGBTI-Dachverband ILGA-Europe zufolge haben bislang nur acht von 27 EU-Mitgliedstaaten ein vollständiges Verbot dieser Praktiken umgesetzt: Deutschland, Frankreich, Belgien, Spanien, Portugal, Griechenland, Zypern und Malta. In den übrigen Ländern ist die rechtliche Lage unklar oder es fehlt jegliche Regelung.

In Spanien untersagt etwa die 2023 verabschiedete Trans- und LGTBI-Gesetzgebung in Artikel 17 alle Formen solcher Pseudotherapien – auch bei ausdrücklicher Zustimmung der betroffenen Person oder deren gesetzlicher Vertretung.

UN und Fachgesellschaften warnen vor den „Behandlungen“

Der UN-Menschenrechtsrat stuft diese „Therapien“ als „diskriminierend, erniedrigend und potenziell folterähnlich“ ein. Auch der Weltärztebund warnt: Die Methoden seien medizinisch nicht haltbar und könnten zu erheblichen psychischen Schäden führen – bis hin zu Depressionen und Suizidgedanken.

Die angewandten Methoden reichen von religiösen Exorzismen über psychologische Reprogrammierung bis hin zu zweifelhaften Hormonbehandlungen. Besonders häufig treten sie in streng religiösen oder konservativen Umfeldern auf, oft ohne öffentliche Kontrolle.

EU-Kommission muss sich äußern

Obwohl die Initiative rechtlich nicht bindend ist, zwingt das Erreichen von über einer Million gültiger Unterschriften die Europäische Kommission nun dazu, sich offiziell mit dem Anliegen auseinanderzusetzen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte im September 2024 bereits die Gleichstellungskommissarin Hadja Lahbib beauftragt, eine neue LGBTI-Strategie vorzulegen – inklusive Vorschlägen für ein europaweites Verbot von Konversionstherapien. „Diese Praktiken sind beschämend und basieren auf der falschen Annahme, dass Homosexualität eine Krankheit sei“, sagte Lahbib der Nachrichtenagentur AFP.

Forderung nach EU-weiten Mindeststandards

Die Petition fordert konkret, dass Konversionstherapien in die Liste sogenannter Eurodelikte aufgenommen werden. Alternativ solle die EU-Gleichbehandlungsrichtlinie aus dem Jahr 2008 erweitert werden. Darüber hinaus verlangen die Initiatoren einen nicht bindenden Beschluss, der Mindeststandards für Opferschutz, Unterstützung und Rehabilitationsmaßnahmen innerhalb der EU festlegt.

Am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi- und Transphobie, fand in Brüssel eine große Pride-Parade statt. Die Demonstration fiel symbolisch mit dem Erfolg der Petition zusammen – ein Zeichen dafür, dass das Thema weiterhin hohe gesellschaftliche Relevanz hat.

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