Die Künstlerin Eva, eine Hälfte des international bekannten Berliner Duos Eva & Adele, ist gestorben. Sie starb in der gemeinsamen Wohnung in Berlin-Charlottenburg, wie ihre Lebens- und Kunstpartnerin Adele der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. „Ich habe sie begleitet zu Hause“, sagte Adele. Nach einer Operation an der Lendenwirbelsäule habe Eva zuletzt die Kraft gefehlt.
Seit ihrer Gründung Anfang der 1990er-Jahre verstanden sich Eva & Adele als lebendes Gesamtkunstwerk. Sie traten stets im identischen Erscheinungsbild auf: kahlrasiert, extravagant geschminkt, in schrillen und detailverliebten Outfits. Ihr Motto: „Over the Boundaries of Gender“ – über die Grenzen des Geschlechts hinaus.
Ikonen der queeren Performancekunst
Die beiden Künstlerinnen lernten sich 1988 kennen und traten ab 1991 gemeinsam auf. Schnell wurden sie zu Fixpunkten der internationalen Kunstszene. Sie performten nicht nur in Museen und Galerien, sondern waren auch in Fußgängerzonen, auf Partys oder in Talkshows präsent. Dabei verschmolz ihre Kunstfigur mit ihrem Alltag – eine konsequente Trennung von Werk und Leben gab es nicht.
Ihr Alter oder ihre genaue Herkunft hielten sie stets geheim. Auf die Frage nach ihrem Ursprung antworteten sie regelmäßig: „Wir kommen aus der Zukunft.“ Diesen Leitspruch griff Adele nun auch im Abschiedspost auf Instagram auf: „Eva ist heute zurück in die Zukunft gegangen. Sie hat diese Welt verlassen und die ewige Bühne betreten.“
Sichtbarkeit in Zeiten der Unsichtbarkeit
In Zeiten, als queere Repräsentation im öffentlichen Raum noch marginalisiert war, standen Eva & Adele für Selbstbestimmung, Mut und künstlerische Konsequenz. Ihre Erscheinung irritierte manche, inspirierte viele – insbesondere in der queeren Community, wo sie als Vorbilder und Hoffnungsträgerinnen galten.
„Danke dafür, dass ihr heteronormative Geschlechterstereotype hinterfragt und aufgebrochen habt“, hieß es in einem Nachruf. „Danke für die Kunst. Und danke, dass ihr so beruhigend und inspirierend wart.“
Das Pariser Museum für moderne Kunst (MAM) widmete Eva & Adele 2016 eine umfassende Retrospektive. Seit 2023 ist das Duo zudem Teil der Dauerausstellung im Museum Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Dort befindet sich auch ihre Arbeit „CUM-Polaroids“, eine Sammlung von über 200 Polaroid-Fotos, die sie bei Performances weltweit zeigen.
Adele kündigt Stiftung und Weiterarbeit an
Trotz des Verlustes plant Adele, ihre künstlerische Arbeit fortzusetzen. „Ich werde weiter künstlerisch arbeiten“, sagte sie. Eva habe ihr das zum Abschied ausdrücklich geraten. Als erstes wolle sie ein großes Projekt mit 201 Leinwänden vollenden, an dem beide seit Jahren gearbeitet hätten.
Auch eine Stiftung ist geplant: „Das haben wir schon vor einigen Jahren festgelegt.“ Die Eva & Adele-Stiftung soll künftig Projekte fördern, die das künstlerische Gesamtwerk des Duos würdigen und weitertragen.

