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Sophie Koch ist neue Queerbeauftragte der Bundesregierung

Die SPD-Politikerin aus Sachsen übernimmt das Amt der Queerbeauftragten und will sich als „Anwältin der Community“ für mehr Akzeptanz und Vielfalt einsetzen. Die Reaktionen auf ihre Ernennung sind gemischt.

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Das Bundeskabinett hat entschieden: Sophie Koch (31), Landtagsabgeordnete aus Sachsen, wird neue Queerbeauftragte der Bundesregierung. Sie tritt damit die Nachfolge von Sven Lehmann (Grüne) an, der das Amt seit seiner Einführung 2022 innehatte. Kochs Ernennung kam für viele überraschend, da die schwarz-rote Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz bislang keine klaren Aussagen zur Zukunft des Postens gemacht hatte.

Die neue Beauftragte wird im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend tätig sein, das von CDU-Politikerin Karin Prien geleitet wird. Ihre Amtszeit ist vorerst bis zum Ende der laufenden Wahlperiode angesetzt – also bis 2029.

„Ich bin selbst Teil der Community“

Koch, die sich selbst als Teil der queeren Community versteht, sieht ihre neue Rolle als Stimme für queere Menschen in ganz Deutschland. „Ich weiß aus meiner sächsischen Heimat, was es bedeutet, im ländlichen Raum Vielfalt zu leben“, sagte sie gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Sie wolle Brücken bauen, Menschen an einen Tisch holen und dabei auch eng mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten.

In der SPD engagiert sich Koch seit Jahren queerpolitisch. Bereits während ihres Politologie-Studiums war sie bei den Jusos aktiv, später als Vorsitzende in Dresden und Sachsen. Von 2022 bis 2024 war sie Bildungsreferentin beim Queeren Netzwerk Sachsen. Seit 2024 ist sie queerpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag.

Zustimmung von SPD und Grünen – Kritik aus anderen Parteien

Der SPD-nahen Arbeitsgemeinschaft SPDqueer zufolge sei es „ein wichtiges Signal“, dass das Amt auch unter CDU/CSU und SPD erhalten bleibe. Auch Sven Lehmann lobte seine Nachfolgerin als „leidenschaftliche Kämpferin für Gleichstellung & Vielfalt“ und wünschte ihr „viel Erfolg in diesem wunderbaren Amt“.

Doch es gibt auch bei den Grünen kritische Stimmen. Nyke Slawik, queerpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, äußerte Bedenken darüber, dass Koch ihr Landtagsmandat behalten möchte. „Das Amt der Queerbeauftragten sollte keinen Nebenjob darstellen“, so Slawik. Es brauche volle Aufmerksamkeit und eine bundespolitische Verankerung.

Reaktionen aus der Community zwischen Hoffnung und Skepsis

Verschiedene LGBTI-Verbände begrüßten die Ernennung, mahnten aber gleichzeitig politische Verbindlichkeit an. Die Deutsche Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit (dgti) und der Verband Queere Vielfalt (LSVD⁺) bezeichneten Kochs Berufung als wichtiges Signal. Gleichzeitig betonten sie, dass das Amt nur dann Wirkung entfalten könne, wenn es nicht zum „Feigenblatt“ für eine „inhaltlich blanke Koalition“ werde.

LSVD-Bundesvorstandsmitglied Erik Jödicke sagte: „Sichtbarkeit braucht politische Verbindlichkeit – beim Abbau rechtlicher Diskriminierung, im Kampf gegen queerfeindliche Hetze und bei der Umsetzung internationaler Menschenrechte.“

Scharfe Kritik aus Opposition und rechten Medien

Von linker Seite kam Kritik am Besetzungsverfahren selbst. Maik Brückner, queerpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, kritisierte die parteipolitische Vergabe ohne offenes Bewerbungsverfahren. Die neue Bundesregierung habe damit „eine intransparente Besetzung von oben“ vorgenommen. Er schlug stattdessen die Einrichtung eines queeren Beirats vor, der breiter in der Community verankert sein könnte.

Gleichzeitig griffen konservative und rechte Medien Koch scharf an. Die Junge Freiheit sprach von „Pöbeleien gegen die CDU“, während Nius sie als „linksradikale SPD-Politikerin“ bezeichnete. Die zum Springer-Konzern gehörende Welt erinnerte an ihre Beteiligung an einem Demonstrationsaufruf, in dem der CDU eine politische Nähe zur AfD vorgeworfen wurde.

Viel Verantwortung in schwierigen Zeiten

Koch selbst scheint sich der Herausforderungen bewusst. In einer Presseerklärung sagte sie: „Die Zeiten sind rau – umso mehr braucht es eine starke Stimme für Vielfalt.“ Ihre Aufgabe wird es nun sein, das Amt mit Leben zu füllen, Vertrauen aufzubauen und konkrete politische Impulse zu setzen. Dabei wird sie nicht nur mit Zustimmung, sondern auch mit Widerstand rechnen müssen – aus der Politik, den Medien und der Gesellschaft.

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