HomePolitikEuropaKarol Nawrocki: Queerfeindlicher Kandidat wird Präsident in Polen

Karol Nawrocki: Queerfeindlicher Kandidat wird Präsident in Polen

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Polen hat gewählt – und Karol Nawrocki ist der neue Präsident des Landes. Der 42-jährige Historiker erhielt in der Stichwahl am Sonntag 50,89 Prozent der Stimmen, wie die staatliche Wahlkommission in Warschau mitteilte. Sein unterlegener Herausforderer, der liberale und LGBTI-freundliche Rafał Trzaskowski, kam auf 49,11 Prozent.

Knappes Ergebnis mit Signalwirkung

In absoluten Zahlen entfielen 10,6 Millionen Stimmen auf Nawrocki, Trzaskowski konnte 10,23 Millionen Wählerinnen mobilisieren. Der Abstand: rund 370.000 Stimmen. Damit bleibt die politische Spaltung des Landes auch nach dieser Wahl deutlich sichtbar. Während Trzaskowski in den Großstädten wie Warschau, Krakau oder Lodz dominierte, entschieden sich Wählerinnen in ländlichen Regionen für Nawrocki.

Die Wahlbeteiligung lag bei 71,63 Prozent und damit deutlich über dem Schnitt der vergangenen Jahre – jedoch unter dem Rekordwert von 74,4 Prozent bei der Parlamentswahl 2023. Viele Stimmen aus dem liberalen Lager blieben offenbar aus.

Nawrocki mit queerfeindlichen Tönen im Wahlkampf

Karol Nawrocki trat offiziell parteilos an, wurde jedoch von der rechtskonservativen PiS-Partei unterstützt. Im Wahlkampf fiel er durch queerfeindliche Aussagen auf. Er sprach sich klar gegen ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare aus und attackierte LGBTI-Aufklärung an Schulen als „Sexualisierung“ von Kindern. In der Fernsehdebatte vor der Stichwahl sagte er: „Die LGBT-Community kann nicht erwarten, dass ich mich um ihre Angelegenheiten kümmere.“

Sein Vorgänger, der ehemalige PiS-Politiker Andrzej Duda, hatte sich während seiner Amtszeit mehrfach offen gegen LGBTI-Rechte positioniert und ein Verfassungsprojekt unterstützt, das Adoptionen durch homosexuelle Paare grundsätzlich verbieten soll.

Einflussreiche Rolle im politischen Machtgefüge

In Polen hat das Staatsoberhaupt mehr Macht als etwa der Bundespräsident in Österreich oder Deutschland. Der Präsident ist nicht nur Repräsentant nach außen, sondern auch mitentscheidend in der Außenpolitik. Er ernennt den Regierungschef, das Kabinett und ist im Kriegsfall Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Zudem kann er Gesetzesvorhaben mit einem Veto blockieren.

Ministerpräsident Donald Tusk hatte auf einen Sieg Trzaskowskis gehofft, um Reformpläne leichter durchzusetzen. Bereits unter Präsident Duda gab es regelmäßige Blockaden der liberalen Regierungsvorhaben.

Nawrocki steht für eine EU-skeptische Linie. Er betonte mehrfach, dass sich Polen nichts „von Brüssel vorschreiben“ lassen werde – auch nicht in Fragen der LGBTI-Rechte. Während Duda und Tusk in der Ukraine-Frage weitgehend an einem Strang zogen, könnte Nawrocki hier künftig eine andere Linie vertreten. Er sprach sich im Wahlkampf gegen einen möglichen NATO-Beitritt der Ukraine aus.

Politische Vergangenheit und öffentlicher Auftritt

Vor seiner Kandidatur leitete Nawrocki das Institut für Nationales Gedenken (IPN), das sich mit der Aufarbeitung kommunistischer Verbrechen beschäftigt. In seiner Jugend war er Amateurboxer und arbeitete während seines Studiums als Türsteher. Medien spekulierten über Kontakte ins Rotlichtmilieu – was Nawrocki weder bestätigte noch dementierte.

Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte er bereits deutlich vor Trzaskowski gelegen, auch dank der Stimmen von Kandidaten noch weiter rechts. Slawomir Mentzen (Konfederacja) kam auf 14,8 Prozent, Grzegorz Braun auf 6,4 Prozent. Beide gelten als offen rechtsextrem.

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