Mit ihrem gerade vorgestellten Regierungsprogramm setzen Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (NEOS) ein deutliches Zeichen für die Rechte und das Wohlergehen queerer Menschen. Das 191 Seiten starke Programm mit dem Titel „Aufschwungskoalition“ legt besonderen Wert auf Gleichstellung, Sichtbarkeit und Teilhabe und umfasst die politische Marschrichtung für Wien bis 2030.
Wien wird zur „LGBTIQ+ Freedom Zone“
Und diese ist deutlich: „Die Freiheit, die eigene Identität zu leben, ist in Wien nicht verhandelbar“, heißt es dort. Die Stadt wolle bewusst ein Gegengewicht zu internationalen Tendenzen bilden, die die Rechte queerer Menschen einschränken.
Ein zentrales Symbol für die Unterstützung der Community ist die geplante Erklärung Wiens zur „LGBTIQ+ Freedom Zone“. Diese Ausrufung soll nicht nur ein politisches Bekenntnis zu den Menschenrechten queerer Menschen darstellen, sondern auch international Signalwirkung entfalten. Wien reiht sich damit in eine Bewegung europäischer Städte ein, die sich bewusst gegen Diskriminierung und für Vielfalt stellen.
Medizinische Versorgung: Zentrum für Transmedizin geplant
Auch die medizinische Versorgung von Transpersonen will die Stadt künftig gezielt verbessern. Ein neuer Versorgungsplan soll die Errichtung eines interdisziplinären Zentrums für Transmedizin vorbereiten. Geplant ist ein Netzwerk aus medizinischen und psychologischen Fachrichtungen, das einen niederschwelligen Zugang garantiert. Auch psychosoziale Beratung und Unterstützung sind Teil des Konzepts.
Ein explizites Ziel ist die Bündelung von Expertise sowie der Ausbau bestehender Angebote. Zudem spricht sich Wien klar gegen unnötige Operationen an intergeschlechtlichen Kindern aus und fordert ein bundesweites Verbot solcher Eingriffe.
Älter werden unter dem Regenbogen
Die Koalition legt ein besonderes Augenmerk auf die Bedürfnisse älterer queerer Menschen. Diese sollen in der „Pflegestrategie 2030“ und in den Einrichtungen des Fonds Soziales Wien (FSW) künftig verstärkt berücksichtigt werden. Geplant ist eine systematische Erhebung der spezifischen Bedürfnisse dieser Zielgruppe, verbunden mit der Förderung von queersensibler Pflege und Betreuung.
Im Regierungsprogramm ist festgehalten: „Die Unterstützung für queere Senior*innen soll erweitert werden – etwa durch bedarfsgerechte Wohn- und Betreuungsformen sowie gezielte Schulungen für Pflegepersonal“ .
Bildung, Integration und Schutz
Das Bekenntnis zur Gleichstellung zieht sich über das entsprechende Kapitel des Regierungsprogramms hinaus. So finden sich darin unter anderem Hinweise auf queersensible Jugendarbeit, Schutzmaßnahmen gegen Hasskriminalität sowie Programme gegen Konversionstherapien. Zudem bekennt sich die Stadt zu einem inklusiven Bildungssystem und fördert Bildungsangebote, die Vielfalt anerkennen und Diskriminierung abbauen helfen.
Auch queere Geflüchtete werden nicht vergessen. Die Stadt verspricht verstärkte Unterstützung durch traumatherapeutische Angebote und einen gesicherten Zugang zu medizinischer Versorgung.
Bestehende queere Infrastruktur soll gestärkt werden
Wien will außerdem die bereits bestehenden queeren Einrichtungen wie das Jugendzentrum Q:WIR oder das Zentrum für queere Geschichte weiter unterstützen. Künftig sollen diese verstärkt in Bildungs-, Kultur- und Sozialprojekte eingebunden werden. Veranstaltungen wie die Vienna Pride oder die Regenbogenparade bleiben für die neue Stadtregierung zentrale Säulen der öffentlichen Sichtbarkeit.
Die neue Koalition betont: „Vielfalt unter dem Regenbogen ist kein Modewort, sondern ein gesellschaftlicher Reichtum, den wir aktiv fördern und schützen.“

