HomePolitikInternationalZu schwul für Trump: Versorgungsschiff darf nicht Harvey Milks Namen tragen

Zu schwul für Trump: Versorgungsschiff darf nicht Harvey Milks Namen tragen

Pentagon plant Umbenennung des Schiffes USNS Harvey Milk – weitere Schiffe mit „woken“ Namenspatronen unter Beobachtung

Die US-Marine wird das nach dem offen schwulen Bürgerrechtler Harvey Milk benannte Versorgungsschiff USNS Harvey Milk umbenennen. Das bestätigten mehrere US-Medien übereinstimmend unter Berufung auf das Verteidigungsministerium.

Der Befehl zur Umbenennung kam demnach direkt von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Die offizielle Ankündigung ist für den 13. Juni geplant – mitten im Pride-Monat. Die Umbenennung eines bereits in Dienst gestellten Schiffs gilt in der US-Marine als ungewöhnlich und wird traditionell mit Unglück assoziiert.

Teil einer Rückbesinnung auf „Kriegerkultur“

Ein internes Memorandum des US-Verteidigungsministeriums, das Military.com vorliegt, nennt als Begründung eine stärkere Ausrichtung auf die „Warrior Culture“. Die Umbenennung solle sicherstellen, dass militärische Einrichtungen und Schiffe die Prioritäten des Präsidenten widerspiegeln, so ein Sprecher des Pentagon. Dazu gehöre auch eine Neubewertung jener Namenspatronen, die als Teil einer als „woke“ empfundenen Militärkultur gelten.

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Harvey Milk diente in den 1950er-Jahren als Leutnant in der US-Marine, wurde jedoch unehrenhaft entlassen, um einem Gerichtsverfahren wegen seiner Homosexualität zu entgehen. 1977 wurde er als erster offen schwuler Mann in ein öffentliches Amt in Kalifornien gewählt. Ein Jahr später wurde er zusammen mit Bürgermeister George Moscone ermordet.

Auch weitere John-Lewis-Klasse-Schiffe betroffen

Neben der USNS Harvey Milk prüft das Verteidigungsministerium auch die Umbenennung weiterer Schiffe der John-Lewis-Klasse. Dazu gehören unter anderem die USNS Thurgood Marshall, die USNS Ruth Bader Ginsburg, die USNS Harriet Tubman sowie die USNS Dolores Huerta und USNS Cesar Chavez. 

Die Schiffe dieser Klasse wurden unter Demokratischen Präsidenten gezielt nach Persönlichkeiten benannt, die sich für Bürgerrechte, Gleichstellung und soziale Gerechtigkeit eingesetzt haben.

Das Pentagon begründete die geplante Umbenennung mit einer Neuausrichtung der Streitkräfte auf „Exzellenz und Kampfkraft“. Verteidigungsminister Hegseth sagte in einer früheren Erklärung: „Auswahlentscheidungen dürfen nicht von Herkunft, Geschlecht oder Ethnie bestimmt sein. Alles andere gefährdet unsere Einsatzbereitschaft.“

Scharfe Kritik aus Politik und Kultur

Die Entscheidung stößt auf breite Kritik. Nancy Pelosi, ehemalige Sprecherin des Repräsentantenhauses und langjährige Abgeordnete für San Francisco, nannte die Maßnahme eine „beschämende, auf Rache ausgerichtete Auslöschung“ von Menschen, „die dafür gekämpft haben, Mauern niederzureißen“. Sie fügte hinzu: „Unser Militär ist das mächtigste der Welt – aber dieser boshafte Schritt wird unsere nationale Sicherheit nicht stärken.“

Auch Stuart Milk, Neffe von Harvey Milk und Vorsitzender der Harvey Milk Foundation, äußerte sich enttäuscht. Er erklärte: „Die Männer und Frauen an Bord der USNS Harvey Milk – egal ob schwul, hetero, schwarz, weiß oder hispanisch – zeigten mir bei meinem Besuch ihren Stolz auf das Schiff und dessen Namensgeber. Sein Vermächtnis wird durch eine Umbenennung nicht ausgelöscht.“

Hollywood-Stimmen melden sich zu Wort

Oscarpreisträger Dustin Lance Black, Drehbuchautor des Films „Milk“ über das Leben des Politikers, kritisierte die Entscheidung als „kulturkämpferischen Akt der Spaltung“. Er sagte: „Dies ist ein weiterer Versuch, von wichtigen Problemen abzulenken und Zwietracht zu säen.“

Schauspieler Sean Penn, der im Film die Rolle von Harvey Milk spielte, kommentierte sarkastisch: „Ich habe noch nie erlebt, dass sich ein Verteidigungsminister selbst so aggressiv zum kleinlichen Chief Officer degradiert hat.“

Die Umbenennung steht im Kontext einer breiteren militärpolitischen Kehrtwende. Die Trump-Regierung hatte bereits zuvor Programme zu Diversität, Gleichstellung und Inklusion gestrichen. Trans Personen wurden erneut vom Dienst ausgeschlossen, und an den Militärakademien sollen Gender- und Rassismus-Module gestrichen werden. Auch die Zulassungskriterien werden künftig ohne Berücksichtigung von Herkunft oder Geschlecht erfolgen.

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