Die Pride in Liverpool, eines der größten LGBTI-Events im Nordwesten Englands, wird dieses Jahr nicht stattfinden. Die LCR Pride Foundation, die für die Organisation verantwortlich ist, gab bekannt, dass das Event am 26. Juli 2025 aufgrund „erheblicher Herausforderungen“ nicht umgesetzt werden kann.
Ehrenamtliches Team stößt an Grenzen
Die Stiftung erklärte, sie habe zuletzt auf ein fast vollständig ehrenamtliches Team zurückgreifen müssen, da finanzielle Mittel und Förderungen auf nationaler wie lokaler Ebene ausblieben. Diese strukturellen Veränderungen, gepaart mit steigenden Kosten, hätten die Durchführung der Veranstaltung unmöglich gemacht.
„Wir sind zutiefst traurig, dass wir in diesem Jahr nicht gemeinsam marschieren können“, erklärte der Vorstand der LCR Pride Foundation. „Gerade in einer Zeit, in der Solidarität, Protest und gemeinsame Feier so wichtig wären, fällt uns diese Entscheidung besonders schwer.“
Trennung von Hauptsponsor verschärft Situation
Ein zusätzlicher Stolperstein war laut Stiftung die kürzliche Entscheidung, die Partnerschaft mit dem langjährigen Sponsor Barclays zu beenden. Diese Maßnahme wurde nach Rückmeldungen aus der Community getroffen, führte jedoch zu weiteren Verzögerungen bei der Planung. Die LCR Pride Foundation betonte, dass dies zwar der richtige Schritt gewesen sei, die Lage aber weiter verkompliziert habe.
„Unsere kleine Organisation hat bis Ende Mai intensiv mit Partnern und Sponsoren zusammengearbeitet, um das Event doch noch zu retten“, so der Vorstand weiter. „Doch trotz aller Bemühungen war es nicht mehr realisierbar.“
Reaktionen aus Politik und Community
Auch in der lokalen Politik ist die Enttäuschung spürbar. Harry Doyle, Stadtrat und zuständig für Gesundheit und Kultur, sagte: „Es ist äußerst bedauerlich, dass Pride in Liverpool nicht stattfinden kann. Angesichts des Erfolgs im letzten Jahr und der Bedeutung für unsere LGBTQ+-Community ist der Ausfall ein herber Verlust.“
Gleichzeitig zeigte er Verständnis: „Die LCR Pride Foundation hat alles versucht. Unter den gegebenen Umständen ist es jedoch nachvollziehbar, dass sie sich für diesen Schritt entschieden hat – langfristig ist das wohl die richtige Entscheidung.“
Miss Grace, eine frühere Preisträgerin des Liverpool Pride Performer of the Year, äußerte sich emotional: „Wir sind am Boden zerstört. Viele in der Community fühlen sich im Stich gelassen. Gerade junge Menschen, die Orientierung suchen, verlieren damit eine wichtige Plattform“, sagte sie dem Fernsehsender ITV.
Perspektiven für die Zukunft
Die Organisator:innen gaben bekannt, dass bereits Gespräche mit der Stadt Liverpool sowie potenziellen Sponsoren für eine Rückkehr der Pride im Jahr 2026 laufen. Zudem wolle man andere Veranstaltungen im Laufe des Jahres unterstützen und Alternativen schaffen, um die Community dennoch zusammenzubringen.
Die Stiftung betont, dass sie weiterhin daran arbeitet, die Liverpool City Region zur LGBTI-freundlichsten Region Großbritanniens zu machen und ruft Interessierte dazu auf, sich als neue Vorstandsmitglieder zu bewerben.

