HomePolitikInlandNach Kritik an Transpolitik: Faika El-Nagashi verlässt die Grünen

Nach Kritik an Transpolitik: Faika El-Nagashi verlässt die Grünen

Zehn Jahre lang war Faika El-Nagashi für die Grünen politisch aktiv. Nun verlässt die umstrittene Politikerin die Partei – vor allem wegen Differenzen in der Transgender-Debatte. Nach einem Auftritt bei einer Orbán-Denkfabrik fühlt sich die umstrittene Politikerin unverstanden und will den Parteikurs nicht mehr mittragen.

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Die ehemalige Nationalratsabgeordnete Faika El-Nagashi hat ihren Austritt aus der Partei der Grünen bekanntgegeben. Sie begründet diesen Schritt mit einer zunehmenden politischen und inhaltlichen Entfremdung – insbesondere im Zusammenhang mit der Transgender-Politik der Partei. 

In einem ausführlichen Kommentar im rechtskonservativen deutschen Magazin Cicero erklärte die 48-Jährige, dass sich ihrer Meinung nach die Grünen von Grundhaltungen entfernt hätten, die sie ursprünglich überzeugt hatten: „Demokratie, Pluralismus, Feminismus“.

Kritik an Transgender-Position der Grünen

El-Nagashi war von 2019 bis 2024 Mitglied des österreichischen Nationalrats und zuvor in der Wiener Kommunalpolitik aktiv. Bereits in den vergangenen Jahren hatte sich die lesbische Politikerin wiederholt kritisch zur Ausweitung von Rechten für trans Menschen geäußert.

In ihren Augen gehe es dabei nicht nur um Selbstbestimmung, sondern auch um grundsätzliche Fragen der Frauenpolitik. „Wir können uns nicht mehr für Frauenrechte einsetzen, wenn das Frau-Sein zu einer Beliebigkeit oder einer ‘gefühlten Identität’ wird“, schreibt El-Nagashi.

Distanzierungen und Forderungen nach Parteiausschluss

Diese Position führte zu erheblichen Spannungen innerhalb der Partei. Insbesondere seit dem Sommer 2023 war sie parteiintern zunehmend isoliert. Damals nahm sie an einer Veranstaltung teil, auf der auch die britische Aktivistin Posie Parker sprach – eine umstrittene Figur, die auch in der Nähe Rechtsradikaler zu finden ist.

Infolge ihrer Positionierungen sah sich El-Nagashi verstärkt Angriffen ausgesetzt. Parteikolleginnen wie Viktoria Spielmann, damalige Wiener Landtagsabgeordnete, verwiesen darauf, dass die Rechte von Transpersonen im Grundsatzprogramm der Grünen ausdrücklich verankert seien.

Orbán-Thinktank und Selbststilisierung

Bereits im Jahr 2022 verfassten Vertreter:innen von SPÖ, Grünen, Queer Base und der HOSI Wien einen offenen Brief, in dem sie sich klar von den Positionen El-Nagashis distanzierten. Im Frühjahr 2025 wurde innerhalb der Grünen ein offizielles Parteiverfahren gegen sie eingeleitet. Zwar wurde ihr Ausschluss abgelehnt, doch eine Parteikollegin, die sich ebenfalls kritisch zu Rechten für trans Menschen geäußert hatte, wurde ausgeschlossen.

„Die Partei muss und will nun Position beziehen”, schreibt El-Nagashi in ihrem Artikel. Dabei kritisiert sie nicht nur den Umgang mit ihrer Person, sondern auch eine als dogmatisch empfundene Haltung gegenüber queeren Themen innerhalb der Partei. Doch die Stilisierung als Opfer eines Zeitgeistes hat erhebliche Risse.

Denn El-Nagashi verschweigt, dass auch sie sich in den letzten zwei Jahren immer weiter von ihrer ursprünglichen politischen Heimat entfernt hat – zum Beispiel durch die Teilnahme an einer Veranstaltung des Matthias-Corvinus-Collegiums im März dieses Jahres. Dieses gilt als Thinktank des LGBTI-feindlichen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán.

Streit um Konversionstherapie-Verbot und Code of Conduct

Kritisch äußerte sich El-Nagashi auch zu geplanten Gesetzesinitiativen der Grünen, darunter einem Verbot von „Konversionstherapien“. Ihrer Ansicht nach kriminalisiere das Vorhaben jede therapeutische Begleitung, die nicht aktiv die selbst empfundene geschlechtliche Identität von Jugendlichen unterstütze.

Damit stellt sie sich nicht nur gegen ein breites Einverständnis innerhalb der Community, sondern auch gegen psychologische und psychiatrische Fachgesellschaften, die seit Jahrzehnten vor diesen Behandlungen warnen – und übernimmt ein Narrativ, das vor allem von rechtskonservativen Aktivist:innen verwendet wird.

Keine neue Parteizugehörigkeit geplant

Zusätzlichen Unmut äußert sie über den geplanten „Code of Conduct“ der Wiener Grünen, der künftig etwa auch „epistemische Gewalt“ – also sprachliche oder wissensbezogene Diskriminierung – sanktionieren soll. Für El-Nagashi ein „Steuerungsinstrument zur ideologischen Gleichschaltung“.

Gegenüber der Tageszeitung Die Presse schloss El-Nagashi aus, sich künftig einer anderen Partei anzuschließen. Sie wolle jedoch weiterhin politisch aktiv bleiben – außerhalb der Parteistrukturen. Ihre Entscheidung zum Austritt sei unausweichlich gewesen. Die designierte Grünen-Chefin Leonore Gewessler sieht sie als Vertreterin eines politischen Kurses, in dem feministische Anliegen durch queere Identitätspolitik überlagert würden.

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