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Berlin: Marzahn Pride trotzt rechtsextremer Bedrohung

Am Samstag findet in Berlin-Marzahn zum sechsten Mal die Marzahn Pride statt. Eine Neonazi-Gruppierung hat zeitgleich eine Gegendemonstration angemeldet. Der Berliner Senat sowie das Bezirksamt sichern der queeren Community ihre Unterstützung zu.

Am Samstag, dem 21. Juni 2025, zieht erneut die Marzahn Pride durch den Berliner Stadtteil Marzahn-Hellersdorf. Die Veranstaltenden rechnen mit rund 1.000 Teilnehmenden. Organisiert wird die Parade vor allem vom russischsprachigen LGBTI-Verein Quarteera, der queeren Migrant:innen aus post-sowjetischen Ländern eine Plattform bietet. Die Veranstaltung endet in einem Straßenfest auf dem Victor-Klemperer-Platz.

Zeitgleich mobilisiert die rechtsextreme Gruppe „Deutsche Jugend voran“ (DJV) zu einem sogenannten Gegenprotest unter dem Motto „Gegen Identitätsverwirrung und Genderpropaganda“. Die Neonazi-Vereinigung hat eine Demonstration mit 300 Teilnehmenden angemeldet, deren Route sich laut aktuellen Informationen gefährlich nahe an die Strecke der Pride-Parade annähert.

Kiziltepe: „Wir stehen an eurer Seite“

Die Berliner Senatorin für Soziales und Antidiskriminierung, Cansel Kiziltepe (SPD), sprach der queeren Community im Vorfeld ihre Solidarität aus: „Wenn ihr angegriffen werdet, tun wir alles, was in unserer Macht steht, um euch beizustehen.“ Mit Blick auf die geplante Gegendemonstration sagte sie: „Mit großer Sorge sehe ich, wie die bunte ‚Pride Parade‘ in Marzahn von Neonazis gestört werden soll. Das darf nicht passieren.“

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Auch das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf stellte sich klar hinter die Veranstaltung. „Rechtsextreme Bedrohung dulden wir nicht“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die von Bürgermeisterin Nadja Zivkovic (CDU) sowie weiteren Bezirksamtsmitgliedern unterschiedlicher Parteien unterzeichnet wurde. Jugendstadtrat Gordon Lemm (SPD) betonte: „Unser Bezirk ist solidarisch, demokratisch und vielfältig.“

Polizeiliche Vorbereitungen laufen

Ob die rechtsextreme Demonstration wie geplant stattfindet, ist derzeit noch unklar. Die Berliner Polizei befindet sich in Einsatzbesprechungen. Eine Sprecherin teilte mit, man bereite ein entsprechendes Sicherheitskonzept vor. Auch Alfonso Pantisano, Queerbeauftragter des Landes Berlin, hat sich mit der Polizei in Verbindung gesetzt und forderte einen besonderen Schutz für die An- und Abreise der Teilnehmenden.

Nach Informationen aus dem Berliner Versammlungsregister verläuft die angemeldete Neonazi-Demo nahe der Pride-Route. Startpunkt ist laut Angaben der 13:30 Uhr an der Straßenbahn-Haltestelle Alt-Marzahn. Die geplante Route führt über Allee der Kosmonauten, Landsberger Allee und Raoul-Wallenberg-Straße bis zum Victor-Klemperer-Platz – genau dort, wo die Marzahn Pride in ein Straßenfest übergeht.

DJV im Fokus der Sicherheitsbehörden

Die Neonazi-Gruppierung „Deutsche Jugend voran“ ist dem Berliner Verfassungsschutz zufolge als gesichert rechtsextrem eingestuft. Ihr mutmaßlicher Anführer, Julian M., wurde Anfang des Jahres wegen mehrerer rechter Gewalttaten zu über drei Jahren Haft verurteilt. Die Gruppe ist in den vergangenen Jahren durch gewaltsame Störaktionen bei Christopher Street Days in mehreren Städten aufgefallen, darunter Berlin und Oranienburg.

Laut Berichten wurden Mitglieder der DJV bei früheren Aktionen mit Schutzmasken und Handschuhen angetroffen, was auf eine gezielte Vorbereitung auf gewaltsame Auseinandersetzungen hinweist. Im Oktober 2024 marschierten bereits rund 100 Neonazis aus dem DJV-Umfeld durch Marzahn gegen eine feministische Demonstration. Auch abseits von Versammlungen wurden aus dem Umfeld der Gruppe tätliche Angriffe gemeldet.

Bedrohungslage bei CSD-Veranstaltungen bundesweit

Die geplante Störung der Marzahn Pride reiht sich in eine größere Welle queerfeindlicher Aktivitäten ein. Laut der Amadeu Antonio Stiftung wurden im Jahr 2024 bundesweit 55 rechtsextreme Übergriffe auf queere Veranstaltungen gezählt. Das Zentrum für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) berichtet von mindestens 27 organisierten Gegendemonstrationen gegen CSDs.

Zuletzt wurde etwa das queere Fest „Bad Freienwalde ist bunt“ in Brandenburg von vermummten Neonazis angegriffen. Zwei Menschen wurden verletzt. Auch in Regensburg wurde eine CSD-Veranstaltung wegen Sicherheitsbedenken abgesagt und nur in kleinem Rahmen durchgeführt.

Veranstaltungen rund um die Pride

Bereits am Freitagabend beginnt das Pride-Wochenende in Marzahn mit einer Pop-Up-Lounge der Friedrich-Ebert-Stiftung. Ab 18:30 Uhr diskutieren Vertreter:innen von Quarteera, dem LSVD und der Berliner Politik auf dem Victor-Klemperer-Platz über queerpolitische Rückschritte.

Am Samstag startet die Pride-Parade offiziell um 13 Uhr am S-Bahnhof Springpfuhl/Allee der Kosmonauten. Ein vorbereitendes Treffen für queere Jugendliche ist für 11:45 Uhr angesetzt. Der Community-Markt mit Bühnenprogramm und Streetfood-Ständen beginnt ab 15 Uhr, die offizielle Eröffnung des Straßenfests ist für 16 Uhr geplant.

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