Im Berliner Nollendorfkiez ist es am Samstagabend zu einem gewalttätigen Angriff auf den Besitzer des Schwulen-Cafés „Romeo & Romeo“ gekommen. Ein 23-jähriger Mann griff den Cafébetreiber gegen 22:30 Uhr mit einer Bierflasche an und verletzte ihn am Kopf. Zuvor hatte er die anwesenden Männer mit homophoben Beleidigungen beschimpft. Der Täter befindet sich nun in einer psychiatrischen Einrichtung.
Cafébesitzer erleidet Platzwunde
Der Vorfall ereignete sich vor dem Café in der Motzstraße, das zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen war. Nach Angaben der Polizei saß der 56-jährige Betreiber mit zwei weiteren Männern im Alter von 28 und 58 Jahren an einem Tisch, als der mutmaßliche Täter sie zunächst ansprach und kurze Zeit später massiv beleidigte. Die Männer forderten ihn auf, sich zu entfernen. Daraufhin kam es zu dem Angriff.
„Nach dem Abendessen – das Café war bereits geschlossen – hat ein Mann mit Beleidigungen um sich geworfen und dann eine Bierflasche mit voller Wucht auf den Hinterkopf des Angegriffenen geschlagen. Die Flasche zerbrach auf seinem Kopf“, schilderte Berlins Queerbeauftragter Alfonso Pantisano auf sozialen Netzwerken. Der Angegriffene erlitt eine blutende Platzwunde und wurde von Rettungskräften ambulant im Krankenhaus behandelt.
Täter in Psychiatrie eingeliefert
Nach der Attacke flüchtete der Täter zunächst, wurde jedoch von Zeugen verfolgt und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten. Die Beamten nahmen den 23-jährigen Mann vor Ort fest und brachten ihn aufgrund seines auffälligen Verhaltens in ein Krankenhaus mit psychiatrischer Abteilung. Die Ermittlungen dauern an. Eine queerfeindliche Motivation könne laut Polizei nicht ausgeschlossen werden.
Zweiter Vorfall innerhalb von 24 Stunden
Weniger als einen Tag vor dem Angriff auf das „Romeo & Romeo“ hatte sich bereits ein ähnlicher Vorfall ereignet: Vor der queeren Bar „Tipsy Bear“ im Prenzlauer Berg bedrohte eine Gruppe Unbekannter die Gäste, entfernte gewaltsam die Regenbogenflagge des Lokals und warf sie in den Müll. Auch dort fielen laut Polizei homophobe Beschimpfungen.
Alfonso Pantisano, der Berliner Queerbeauftragte, zeigte sich tief erschüttert: „Wann hört dieser Wahnsinn auf? Was muss noch passieren, bis alle kapieren, wie ernsthaft gefährdet die queere Community ist?“ Er kündigte an, den Cafébetreiber persönlich zu besuchen.
Auch die Lesben und Schwulen in der Union (LSU), die queere Vertretung innerhalb der CDU, äußerten sich am Sonntag zu den Angriffen. „Hier wird nicht nur unsere Community angegriffen, sondern alles, wofür unser Berlin in der Welt steht!“, erklärte René Powilleit, Landesvorsitzender der LSU. Er forderte eine rasche Umsetzung der „Landesstrategie für queere Sicherheit und gegen Queerfeindlichkeit“.
Polizei ermittelt weiter
Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin hat die weiteren Ermittlungen übernommen. Die Behörde prüft, ob es sich bei den Vorfällen um gezielt queerfeindliche Angriffe handelt. In der Regel übernimmt der Staatsschutz bei politisch oder ideologisch motivierten Taten dieser Art die weiteren Untersuchungen.

