Am Samstag wurde Graz erneut zur Hauptstadt der Vielfalt: Rund 15.000 Menschen beteiligten sich an der Christopher-Street-Day-(CSD)-Parade. Unter strahlend blauem Himmel setzte sich der Demonstrationszug um 12 Uhr vom Stadtpark aus in Bewegung, führte über die Keplerbrücke bis zum Volksgarten – dort wartete das große Parkfest. Die Stimmung war ausgelassen, friedlich und laut. Neben Musik und Tanz standen auch politische Statements im Mittelpunkt.
Regenbogenflaggen, Beats und politische Botschaften
Die Parade war dabei nicht nur ein Fest der Sichtbarkeit, sondern auch eine Reaktion auf aktuelle Rückschritte in Europa. Insbesondere galt die Solidarität der ungarischen LGBTI-Community, deren Pride-Parade in Budapest verboten wurde.
Cynthia Mlekuz vom Queer-Referat der HTU Graz sagte dazu: „Gerade jetzt, wo queere Menschen wieder vermehrt unter Druck geraten, müssen wir uns erinnern, warum wir auf die Straße gehen – um Gleichberechtigung einzufordern und Menschenrechte zu verteidigen.“
Parkfest mit Bühnenprogramm und Gedenkort
Im Volksgarten ging die Feier weiter – mit einem BBQ, Infoständen, einem Familienbereich sowie einem Gedenkort für die Opfer des Amoklaufs vom 10. Juni in einer Grazer Schule. Auf drei Bühnen sorgten Musikacts wie der Grazer Regenbogenchor, Romana und die Schmatterlinge, PAENDA und viele mehr für musikalische Abwechslung. Besonders viel Anklang fanden auch die elektronische Rave-Bühne und die Schlagerarea.
Um 15 Uhr begann auf dem Parkfest das große Bühnenprogramm. Dabei richteten sich auch Vertreter:innen politischer Parteien an das Publikum. Auffällig war, dass keine Mitglieder der blau-schwarzen Landesregierungskoalition auftraten. NEOS-Gemeinderat Philipp Pointner warnte: „Graz darf nicht Budapest werden.“
SPÖ-Bundesrat Stephan Auer-Stüger forderte, die Regenbogenfahne täglich zu hissen. Grünen-Gemeinderat Tristan Ammerer erinnerte an ein noch nicht umgesetztes Denkmal für queere Opfer in Graz. Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ) hob hervor: „Wir haben eine Bürgermeisterin, die hier tanzt, ohne eine Bühne zu brauchen.“
Fußball für alle: Sportliches Zeichen gegen Ausgrenzung
Ein weiteres Highlight war das 2. CSD-Fußballturnier, das unter dem Motto „Fußball ist für alle da“ stand. Veranstaltet wurde es vom Verein Miteinander in Kooperation mit den RosaLila PantherInnen und der „Fußball für Alle“-Ombudsstelle des ÖFB.
Unterstützt von den steirischen Profivereinen SK Sturm Graz, GAK 1902 und TSV Hartberg wurde der Ball bunt und fair gekickt. Am Spielfeldrand gab es sogar Autogramme und ein Fanartikel-Gewinnspiel.
Feiern mit Verantwortung: Nachhaltigkeit im Fokus
Die Veranstalter:innen zeigten, dass auch große Events umweltbewusst funktionieren können. Mit Recyclingstationen, Mülltrennung und Pfandbechern setzte man ein starkes Zeichen für Nachhaltigkeit. Unterstützung kam von den Aktivist:innen von Fridays for Future und Omas for Future. Ein ausdrücklicher Appell lautete: Wer feiert, trägt Verantwortung für den Ort.
Ein Novum stellte die Kooperation mit der SafeNow App dar: Das Parkfest war die erste Pride-Veranstaltung Österreichs mit einer offiziellen SafeNow Zone. Besucher:innen konnten über die App im Notfall diskret Hilfe rufen – bei Bedrohung, Belästigung oder medizinischen Notfällen. Joe Niedermayer von den RosaLila PantherInnen erklärte dazu: „Sicherheit bedeutet Freiheit. Wir sind stolz, dass wir hier Vorreiter sind.“
Ob auf der Bühne, auf der Straße oder am Fußballplatz – der CSD Graz 2025 war laut, bunt und entschlossen. Mit Musik, Reden und Aktionen wurde ein starkes Signal für Respekt, Sichtbarkeit und Gleichstellung gesetzt. Die Organisator:innen zeigten sich dankbar: „Ohne das Engagement so vieler Menschen wäre dieser Tag nicht möglich gewesen.“

