In Berlin-Schöneberg haben am Montagabend etwa 250 Menschen vor dem queeren Szenelokal „Romeo und Romeo“ gegen Hass und Gewalt demonstriert. Auslöser war ein Angriff am Samstagabend auf den Betreiber des Cafés. Laut Polizei wurde der 56-jährige Ufuk Erol von einem 23-jährigen Mann mit einer Glasflasche am Kopf verletzt. Die Flasche zerbrach bei dem Schlag.
Der Vorfall ereignete sich gegen 22:30 Uhr, als drei Männer im Alter von 28, 56 und 58 Jahren vor dem Lokal saßen. Der Tatverdächtige soll sie zunächst angesprochen und nach einer Aufforderung zum Gehen beleidigt haben. Er verließ den Ort kurzzeitig, kehrte jedoch zurück und schlug dem Cafébetreiber die Flasche gegen den Kopf. Anschließend flüchtete er.
Tatverdächtiger wurde in psychiatrische Klinik gebracht
Zeugen und das Opfer verfolgten den mutmaßlichen Täter, konnten ihn festhalten und der Polizei übergeben. Aufgrund auffälligen Verhaltens wurde er in eine psychiatrische Klinik gebracht und einer Ärztin vorgestellt. Der verletzte Betreiber erlitt ein Hämatom und wurde ambulant im Krankenhaus behandelt.
Bei der Kundgebung am Montagabend sagte Ufuk Erol: „Mir ging es erstmal ganz schlimm, aber wenn ich das jetzt sehe, diese Solidarität, dann habe ich noch Hoffnung.“ Zahlreiche Unterstützer\:innen zeigten sich betroffen und riefen zu mehr Schutz für queere Menschen auf.
Weitere queerfeindliche Attacke auf „Tipsy Bear“ in Prenzlauer Berg
Neben dem Vorfall in Schöneberg kam es am Wochenende auch zu einem weiteren Angriff auf eine queere Bar. Vor dem „Tipsy Bear“ in der Eberswalder Straße soll laut Polizei eine sieben- bis achtköpfige Gruppe aufgetaucht sein. Ein 17-Jähriger riss eine Regenbogenfahne aus der Halterung und warf sie in einen Mülleimer. Ein anderer Mann näherte sich dem Lokal mit einem Baseballschläger, flüchtete jedoch vor der Polizei.
Die Polizei stellte einen 19-Jährigen aus der Gruppe. Bei einer Gegenüberstellung beleidigte dieser den Barbetreiber schwulenfeindlich. Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie zunehmender queerfeindlicher Angriffe in der Hauptstadt.
Zahlen queerfeindlicher Gewalt steigen – Expert:innen schlagen Alarm
Laut dem Leiter des Anti-Gewalt-Projekts Maneo, Sebastian Finke, haben queerfeindliche Gewalttaten in Berlin im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent zugenommen. Anwältin Sissy Kraus berichtet von einem „explosionsartigen“ Anstieg entsprechender Fälle in ihrer Kanzlei: „Die Menschen haben wahnsinnig Angst, kommen zu mir und machen dann doch keine Anzeige.“
Kraus nennt zwei Tätergruppen: zum einen rechte Kreise, „ermutigt durch die AfD“, zum anderen junge Männer, „die einen friedlichen Glauben missbrauchen und mit dieser Rechtfertigung zuschlagen“. Die Entwicklung bereitet vielen in der queeren Community Sorge.
Politische Reaktionen: Forderung nach Priorisierung des Schutzes
Der Queerbeauftragte von Berlin, Alfonso Pantisano (SPD), zeigte sich vor Ort solidarisch. Auch der Grünen-Politiker Sebastian Walter äußerte sich deutlich: „Ich bin erschüttert über den brutalen Angriff auf Ufuk Erol. Was in Berlin passiert, ist kein Einzelfall.“
Walter fordert, queere Bildungs- und Antidiskriminierungsarbeit dürfe nicht gekürzt werden: „Diese Kürzungen sind nicht nur ein Schlag ins Gesicht der Community – sie gefährden Menschenleben.“
René Powilleit, Landeschef der LSU Berlin, sieht die Angriffe als Symptom einer gefährlichen Entwicklung: „Wir stehen unter Beschuss. Jeden Tag – zu jeder Zeit.“ Der Angriff auf „Romeo und Romeo“ und die Vorfälle beim „Tipsy Bear“ seien nicht nur Übergriffe auf Orte, sondern auf das Recht auf ein freies und würdevolles Leben.

